the cogito foundation
 
  Projekte 2004   (Last Update: 04.06.2007)
   
 
R-117/03 "The development of stem cell research and bioethics"
Prof. Dr. Rainer Schweizer, Universität St. Gallen; Dr. Beatrix Rubin, Universität Basel Fr. 101'000.–

Für die aktuelle Diskussion um die Stammzellenforschung soll aus der Erfahrung der letzten 40 Jahre Forschung über Stammzellen und Keimzellen aus reproduktionsbiologischer Sicht die Dynamik des Forschungsprozesses untersucht werden. Dazu werden wichtige wissenschaftliche Akteure zu ihrer Einschätzung der Entwicklung und ihren persönlichen ethischen Überlegungen sowie ihre individuelle Wissenschaftler-Motivation befragt werden. Die Geschichte der Reproduktionsbiologie, insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Klonierens wird am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin ausgeführt. Schliesslich soll die Diskussion über Forschungsregulierung in diesem Bereich vergleichend aufgearbeitet werden. Aus einer Synopsis der drei Teile soll mehr Transparenz in die gegenwärtige polarisierte Auseinandersetzung um die Stammzellforschung gebracht werden.
 
S-101/04 "The Emergence and Evolution of Syntactic Ambiguity"
Stefan Höfler, Universität Zürich; Professor James R. Hurford, Edinburgh
Fr. 121'900.- (für 3 Jahre)

Die Doktorarbeit geht der Frage nach, wie in einer Sprache die charakteristischen Uneindeutigkeiten zustande kommen, die eine gute Maschinen-Übersetzung so schwierig machen. Das Projekt stellt eine Weiterentwicklung der Arbeiten an der "Language Evolution and Computation Research Unit" in Edinburgh dar, wobei eine abstrakte Sprache (bestehend aus einigen Begriffen und grammatikalischen Regeln) aufgrund gewisser Algorithmen von einem Computer-Programm verarbeitet wird, welches die "neue" Sprache alsdann an ein nächstes Computer-Programm weitergibt, das wiederum die Sprache "erlernen" muss. Damit konnte nachgewiesen werden, dass die kulturelle Weitergabe der Sprache dazu führen kann, dass deren Stuktur auch durch nicht-linguistische Bedingungen bestimmt ist und somit zu einem gewissen Teil nicht universell wird.
 
T-103/04 "Verändert das Klima die Welt?"
Dr. Dominik Galliker, Academia Engelberg Fr. 28'000.–

Der diesjährige „Dialogue on Science“ der Academia Engelberg (29. 9.- 1. 10.04) hat den Klimawandel als Thema gewählt, der unter verschiedenen Blickwinkeln diskutiert werden soll. Kompetente Wissenschafter werden in die Klimaproblematik einführen und einen Überblick aus klimageschichtlicher, nationaler und internationaler Sicht geben. Dabei interessiert auch die Frage, wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse von der Öffentlichkeit und der Politik aufgenommen und verarbeitet werden. Weitere Facetten wie: Klimaänderung und Gesellschaft, Klimawandel und dritte Welt, Adaptation versus Mitigation sollen beleuchtet und in Workshops vertieft diskutiert werden. Die Workshops sollen die Kontroversen in der Klimadebatte sichtbar machen. Eine Gruppe von 20-25 Studenten der ETH Zürich wird diese Workshops vorbereiten und sich gleichzeitig vertieft mit diesem globalen Thema auseinandersetzen. Diese Auseinandersetzung von Studenten mit dem komplexen Thema ist geeignet, junge Wissenschafter für disziplinenübergreifendes Arbeiten und Denken zu sensibilisieren.

www.academia-engelberg.ch

 
T-106/04 "Gemeinschaftliche Entscheidungsfindung bei Tieren und Menschen" 23.- 26. September 2004
Prof. Dr. Marta Manser; PD Dr. Gerald Kerth, Zoologisches Institut der Universität Zürich Fr. 15'000.–

Der viertägige Workshop in Zürich will das Thema "gemeinschaftliche Entscheidungen bei Tieren und Menschen" sowohl aus Sicht der Verhaltensbiologie wie auch der Ökonomie diskutieren und die Konflikte zwischen individuellen und gemeinsamen Interessen einer Gesellschaft aufzeigen. Die Möglichkeit, despotische und demokratische Entscheidungen zu vergleichen, ist durch den Mangel an empirischen Studien limitiert. Deshalb ist ein Wissensaustausch in Form eines Workshops von grosser Bedeutung. Die Kurzvorträge der Teilnehmer sollen anschliessend in "Trends in Evolution and Ecology" publiziert werden, um eine gute Weiterverbreitung der Resultate zu erreichen.

 
R-107/04 "Science & Society" (Anschlussgesuch zu R-106/03)
Prof. Dr. David Krieger, Peter Kirchschläger, Christian Filk, Universität Luzern (IKK) Fr. 50'000.–

Ziel des Forschungsprojektes ist es, Möglichkeiten und Grenzen der Kommunikation zwischen Wissenschaft und Politik zu untersuchen. Dazu werden theoretische Grundlagen zur Gestaltung von Wissensprozessen formuliert und organisatorische Rahmenbedingungen und Modelle erarbeitet. Die Forschungsaktivitäten im abgelaufenen Jahr konzentrierten sich auf die Analyse und Dokumentation des empirischen Datenmaterials aus den Science &Society-Konferenzen, Interviews mit Akteuren und Experteninterviews. Sie zeigen viel versprechende Ansätze für bessere Kommunikationswege zwischen Wissenschaft und Politik. Aufbauend auf diesen Forschungsergebnissen werden Aspekte des Managens von Wissen untersucht. Im Mittelpunkt der Forschungstätigkeit für das zweite Jahr steht die Vervollständigung und Erweiterung der empirischen Untersuchungen und die Erarbeitung eines Kommunikationsmodells für die Kommunikation zwischen Parlamentariern und Wissenschaftern.

 
R-108/04 "Gesundheit der Kel Tamasheq in Mali"
Prof. Dr. Reinhard Schulze, Institut für Islamwissenschaft, Universität Bern
Fr. 75'000.–

Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Islamwissenschaft der Universität Bern und des Basler Tropeninstituts. Forschungsgegenstand ist das Krankheitsempfinden der Angehörigen des pastoralen Nomadenvolkes der Kel Tamasheq in dem für sie typischen soziokulturellen Umfeld. Als Nomaden sind die Kel Tamasheq von der ohnehin unzureichenden öffentlichen Gesundheitsversorgung weitgehend ausgeschlossen. Das gilt ganz besonders für Frauen und Kinder. Die Therapie der häufigen Krankheiten – viele davon Zoonosen – erfolgt daher auf traditionelle Weise. Der Versuch, moderne Methoden der präventiven und therapeutischen Medizin einzuführen, scheitert an Misstrauen und Tabus. Untersucht werden soll das individuelle und das soziale Krankheitsempfinden dieser Leute von einer Schweizer Islamwissenschafterin, Anna Katharina Münch, und einheimischen Medizinern. Als Frau hofft sie, einen besseren Zugang zu den aktuellen und potentiellen Patientinnen zu haben, zumal sie die lokalen Berbersprachen spricht.
 
R-109/04 "Die Rolle der Emotion: Ihr Anteil am menschlichen Handeln"
Prof. Dr. Gerd Folkers, Collegium Helveticum, Zürich Fr. 250'000.–

Das Thema wird aus Sicht der unterschiedlichsten Disziplinen beleuchtet:
Sozialwissenschaften: Die neuronalen Grundlagen moralischer Emotionen (Prof. Ernst Fehr); Pharmakologie: Mechanismen der emotionalen Schmerzunterdrückung und ihre Konsequenz für die rationale und "alternative" Schmerztherapie unter besonderer Berücksichtigung von sozialem Rollenverhalten und kulturellen Hintergründen (Prof. Gerd Folkers); Neurologie: Selbstorganisation des Gehirns durch Erfahrung (Prof. Hanns Möhler); Physik: Untersuchungen zum Code von Denken und Emotionen (Prof. Reinhard Nesper); Geschichte: Emotion in der Masse: Historische Perspektiven (Prof. Jakob Tanner).
Die Hoffnung ist, dass die verschiedenen Gruppen im Laufe ihrer Arbeit auf Fragen stossen, die nur gemeinsam gelöst werden können. Dieser Annäherungsprozess soll durch geeignete Strukturen wie gemeinsame Seminarien, Projektbesprechungen und Statuskongresse gefördert werden. Das Funktionieren dieses Prozesses ist selbst Gegenstand eines Forschungsprojekts eines Soziologen aus dem Institut für Arbeitspsychologie.
Die cogito foundation finanziert 3 Doktoranden und stellt CHF 100'000.– für Gäste und Stipendiaten zur Verfügung, insgesamt CHF 250'000.– für ein Jahr ab 15.10.04.

 
R-113/04 "Roots of Civilization"
(die Entstehung von Messtechniken in Mitteleuropa)
Dr. Aleksander Dzbynski, Universität Basel
Fr. 44'800.– (für 2 Jahre)

Das Projekt beinhaltet eine kreative neue Forschungslinie in der Frühgeschichte Europas. Aus Grabbeigaben, die in gewissen Gesellschaften gefunden wurden, entnahm man, dass diese Gesellschaften das Prinzip des Messens kennen mussten, da die Grösse der Gefässe stets Verdoppelungen ihrer selbst waren. Dieser Prozess ist grundlegend für den Prozess der Entwicklung der Zivilisation, da nur auf diesem Weg die innere Welt des Menschen auf die Umwelt abgebildet werden kann. In Zentraleuropa ist darüber wenig bekannt. Dzbynski will mit Hilfe von Grabungen und weiteren Untersuchungen an verschiedenen Orten Zentraleuropas die Entstehung von Messtechniken erforschen.

 
S-116/04 "Wohlfahrtsstaat und Entwicklung"
Dominic Rohner, Universität Cambridge (UK)
Fr. 45'000.– (Fr. 15'000.– für 3 Jahre )

Dissertation an der University of Cambridge unter Prof. Sir Partha Dasgupta zum Thema "Wohlfahrtsstaat und Entwicklung". Sie soll einen Überblick über das Phänomen "Sozialstaat" in Entwicklungs- und Schwellenländern schaffen, um dann herauszuarbeiten, welche Aspekte eines Sozialstaates in welchen Ländern auf welche Art deren Wirtschaftswachstum positiv oder negativ beeinflussen können. Dabei werden Kriterien wie Mindestlöhne, soziale Sicherheit, Bildungswesen, Steuersystem etc. betrachtet. Mit der Entwicklung eines Modells wird angestrebt, den Einfluss verschiedener Parameter mittels Simulationen von Reformen zu ergründen. Die politologische Arbeit wendet explizit naturwissenschaftliche Methoden an, um vollständigere und besser abgestützte Resultate zu erhalten.

 
T-119/04 "From Animal Mind to Human Mind"
Prof. Dr. Ernst Hafen, Zoologisches Institut, Universität Zürich
Fr. 12'000.-

Zum 65. Geburtstag und zum Rücktritt von Rüdiger Wehner als Direktor des zoologischen Instituts der Universität Zürich, wird am 12. Feb. 2005 in Zürich ein eintägiges, wissenschaftliches Symposium zum Thema "From Animal Mind to Human Mind" organisiert. Mit diesem Anlass sollen die wegbereitenden wissenschaftlichen Arbeiten und Verdienste von Rüdiger Wehner im Bereich Neurobiologie gewürdigt werden.
Ins Hirn geschaut

From Animal Mind to Human Mind

 
R-126/04 "Risikokonzepte in Technikdiskursen. Eine vergleichende Analyse von Molekularbiologie und Nanowissenschaften"
Prof. Sabine Maasen, Dipl. Natw. ETH Monika Kurath, Universität Basel
Fr. 70'000.-

Bisher existieren weder Studien, die den Bereich der Nanowissenschaften der Molekularbiologie gegenüberstellen noch solche, welche Risikokonzepte wissenschaftsexterner Einrichtungen berücksichtigen oder die spezifische Charakteristika der akademischen Wissensproduktion eruieren. Die Analyse und der Vergleich von Risikokonzepten im Bereich von Nanowissenschaften und Molekularbiologie in der Schweiz wird als qualitative sozialwissenschaftliche Studie aufgebaut und konzentriert sich auf drei Fragekomplexe:

  • Wie sehen Wissenschafter die Risiken der Nanotechnologie?
  • Wie beurteilen Leute ausserhalb der Wissenschaft die Risiken der Nanotechnologie?
  • Lassen sich „boundary objects“ und“ trading zones“ finden, über die es zu Aushandlungen über differierende Risikowahrnehmungen kommt?

Das Projekt könnte mit den neu gewonnenen Erkenntnissen Handlungsanweisungen für Wissenschaft und Politik im Umgang mit Technikkontroversen entwickeln. Die Ergebnisse fliessen am Schluss in Vorlesungen und Seminare ein und sollen an einer Internationalen Konferenz im Bereich Wissenschaftsforschung vorgestellt und zur Veröffentlichung in diversen Magazinen eingereicht werden.