the cogito foundation
 
  Projekte 2006   (Last Update: 15.06.2007)
   
 
R-115/05

"Musikalische Kreativität in der Anwendung neuer Kompositions-Software"
PD Dr. Guerino Mazzola, Institut für Informatik, Universität Zürich Fr. 50'000.-

Der Gesuchsteller hat es geschafft, die abendländische Tonkunst in mathematische Formeln zu fassen. Er hat alle Erkenntnisse über Analyse, Interpretation und Komposition von Musik in die Computerprogramme „Rubato“ (1992 entwickelt) und „Presto“ eingepackt. Seine Software zur Wiedergabe von Musikstücken verwendet winzige Verschiebungen in Lautstärke und Rhythmus, die einem Stück plötzlich einen swingenden Groove oder einen Hauch von Chinesischer Musik verleihen.
In Zusammenarbeit mit Komponisten und Musikinformatikern der Ecole Normale Supérieure (ENS), wo Mazzola teilweise als Gastdozent arbeitet und dem IRCAM von Boulez in Paris soll der „Rubato Composer“ nun zu einem tauglichen Kompositions-Werkzeug vervollständigt und weiterentwickelt werden.

 
T-101/06

"6th International Summer School on Humor and Laughter: Theory, Research & Applications", 10-15 July 2006
Prof. Dr. Oswald Huber, Universität Fribourg Fr. 2'080.-

Erst seit 20 Jahren wird der Einfluss von Humor auf die Gesundheit untersucht oder wie Humor im Gehirn verarbeitet wird und welchen Einfluss Persönlichkeitsmerkmale auf die Humorverarbeitung haben. 2001 wurde die „Summer School on Humor and Laughter“ gegründet. Dieses Jahr findet sie vom 10. - 15. Juli 2006 in Fribourg statt. Sie bringt Forscher aus den Neurowissenschaften und den Geisteswissenschaften zusammen, um das Thema Humor und Lachen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und neue Erkenntnisse zu diskutieren. Der Beitrag finanziert Reise und Unterkunft des Referenten Prof. Rod A. Martin (University of Western Ontario), Präsident der Humor Society. Seine Forschungsarbeiten behandeln die Rolle von Humor und Stress sowie die Verknüpfung von Humor und Lachen mit physischem und psychischem Wohlbefinden. Er selbst verkörpert als klinischer Psychologe die für die cogito foundation wichtige disziplinübergreifende Denkweise.

Programm

   
T-104/06

"Hirnforschung und Menschenbild"
Profs. Drs. Adrian Holderegger und Beat Sitter-Liver, Universität Fribourg Fr. 5'000.-

Die Tagung über Hirnforschung und Menschenbild schlägt eine Brücke zwischen Geistes- und Naturwissenschaften. Es geht um die Auseinandersetzung mit Aspekten der Neurowissenschaften: Verdienst und Überschätzung, Chancen und Risiken, erwünschten und unerwünschten Folgen. Unverkennbar ist, dass das Menschenbild durch neue Ergebnisse der Neurowissenschaften stark betroffen wird, insbesondere bezüglich der Willensfreiheit. Die Tagung will im Interesse von Wissenschaft und Gesellschaft den Stand der wissenschaftlichen Errungenschaften erheben, die ausgelösten Kontroversen sichten und klären sowie die verschiedenen Positionen unter normativen Aspekten (Ethik, Recht, Politik) bewerten und sich über Empfehlungen für den kritisch-konstruktiven Umgang mit dem Abenteuer Hirnforschung verständigen. Die Tagung leistet ebenfalls einen Beitrag zum public understanding of science.

http://www.hirnforschung-symposium.ch

 
T-105/06

"WESPAC", wissenschaftliche Konferenz
Dr. Katja Wirth Bürgel, Kumamoto University, Japan Fr. 1'686.–

Die Gesuchstellerin ist Psychologin und hat im Projekt „Lärmstudie 2000“ doktoriert. Darin untersuchte sie die Auswirkungen von Fluglärm – namentlich auch im Umfeld des Flughafens Zürich – auf den Schlaf und die Belästigung der Flughafenanwohner. Ihre Resultate wurden bereits an diversen wissenschaftlichen Tagungen präsentiert und in verschiedenen Publikationen veröffentlicht.
Die cogito foundation finanziert ihre Teilnahme an der Western Pacific Acoustics Conference (WESPAC) in Seoul vom 26. - 29. Juni 2006, um ihre interdisziplinären Forschungsresultate in internationalem wissenschaftlichen Rahmen vorzustellen.

Wespac.ppt

 
S-106/06

"Graduiertenprogramm für interdisziplinäre Ethikforschung an der Universität Zürich 2007 – 2010"
Prof. Dr. Markus Huppenbauer, Universität Zürich
Finanzierung der Doktorandenstelle von Adrian Jäggi für 3 Jahre Fr. 144'000.-

An der Universität Zürich gibt es ab Frühjahr 2007 ein Graduiertenprogramm in Ethik. Es wurden 88 Projekte eingereicht. Davon waren 14 erfolgreich; 12 Projekte werden durch den Schwerpunkt Ethik der Universität Zürich finanziert, eines von der Stiftung Mercator. Ethikprojekte, welche von Naturwissenschaftern durchgeführt werden, sind Beispiele für die Zusammenarbeit von Geistes- und Naturwissenschaften. Die cogito foundation übernimmt die Finanzierung des disziplinübergreifenden Doktorandenprojektes von Adrian Jäggi, das sich mit Altruismus und Vorstufen der Moral bei Menschenaffen befasst und die natürlichen, evolutionären Wurzeln der Moral der Menschen untersuchen will.

 
S-110/06

"Integrating biodiversity conservation and game theory on human cooperation: The role of informal institutions and moral systems"
Dr. Claudia Rutte, Universität Lausanne Fr. 57'600.-

Das Projekt geht von der Tatsache aus, dass staatlich verordnete Naturschutzgebiete ihren Zweck oftmals verfehlen, da die Integrität des Ökosystems und der Artenvielfalt nicht gewährleistet sind. Besser schneiden traditionelle "Heilige Haine" und religiöse Tabus ab. Dieses Phänomen soll unter dem Aspekt der Evolution sozialer Normen untersucht werden. Seit einigen Jahren ist bekannt
(M. Nowak und K. Sigmund, später auch E. Fehr), dass die alte Formel "wenn jeder für sich sorgt, ist für alle gesorgt" nicht uneingeschränkt gilt. Menschen in sozialen Netzen sind altruistischer.
Die Gesuchstellerin hat die Möglichkeit, die Feldarbeit in Südindien durchzuführen, wo Tabus und Traditionen noch stark sind. Für die Auswertung wird sie mit Martin Nowak an der Harvard University zusammenarbeiten.

 
R-111/06

"Die Rolle der Emotionen: Ihr Anteil bei menschlichem Handeln und bei der Setzung sozialer Normen" (Anschlussgesuch R-110/05 und R-109/04)
Prof. Dr. Gerd Folkers, Collegium Helveticum, Zürich Fr. 200'000.-

Das Experiment der Neuausrichtung des Collegium unter Gerd Folkers läuft nun seit 18 Monaten. Das Projekt lebt. Die Autorenschaft des Gesuchs ist auf 11 Personen angewachsen, eine zwölfte dürfte demnächst dazukommen (die neue Professorin für Neuroimaging an der Uni Zürich, Frau Dr. Tania Singer). Es werden 13 Teilprojekte aufgelistet, die von 2 bis 5 Forschungsleitern betreut werden. Die Spanne reicht von Untersuchungen zur Natur des Bewusstseins bis zur Entwicklung eines Geräts zur nonverbalen Kommunikation von Schmerzempfindungen. Der Zweck der Zusammenarbeit ist, dass aus dem Zusammenwirken von mehreren Projekten etwas Unvorhergesehenes entsteht.

 
S-115/06

"The Development of Cooperative Norms in Human Societies"
Shakti Lamba, PhD Student, Indian Institute of Science, Bangalore, India,
University College London (für 3Jahre) Fr. 133'636.30

Vor dem Hintergrund des derzeit hohen Standes soziobiologischer Theoriebildung (Kin selection theory) und spieltheoretisch inspirierter Vorstellungen zur ökonomischen Entscheidungsfindung hat die Gesuchstellerin ein Projekt entwickelt, mit dem sie an einem konkreten Beispiel kulturell (weitgehend) einheitlicher Gemeinschaften den genetischen und ökonomischen Faktorenkomplex analysieren will, der elementaren kooperativen Verhaltensweisen zugrunde liegt. Die Problematik wird in dörflichen und kleinstädtischen Gemeinschaften untersucht, welche über den gleichen kulturellen Hintergrund verfügen (zum gleichen indischen Stamm der Raj Gond gehören), sich aber in ökonomischen und demographischen Faktoren unterscheiden. Innerhalb dieser Gemeinschaften wird kooperatives Verhalten zwischen Individuen anhand standardisierter ökonomischer Spielparadigmen getestet. Dabei gehen in die Analyse sowohl die ökonomische Struktur der Gemeinschaft als auch verschiedene soziale Statuskriterien der Individuen ein.
An der Schnittstelle von Soziobiologie und Soziologie, Verhaltensökologie und Ökonomie, Anthropologie und Kulturwissenschaft behandelt die Forschungsarbeit das aktuelle Thema der Evolution altruistischen Verhaltens beim Menschen.

 
P-119/06

"Freiheitsfieber", Dokumentarfilm
Dr. Susanne Eigenheer Wyler, Schule für Kunst und Mediendesign, Zürich Fr. 20'000.-

Das Filmkonzept will völlig unterschiedliche, aussergewöhnliche Personen und deren Lebenswelten darstellen. Neben dem Häftling Roger, dem ehemaligen Lastwagenmechaniker und heutigen Ingenieur Michael sowie der freiheitsliebenden Olivia soll auch die ambitionierte Physikstudentin Barbara portraitiert werden. Alle suchen sie nach Freiheit. Durch die Auswahl der Personen ist der Film disziplinübergreifend.
Der von der cogito foundation mitfinanzierte Teil, will die angehende Wissenschaftlerin (mit einer Auszeichnung von „Schweizer Jugend forscht“ und weiteren Preisen) vorstellen und zeigen, was es braucht, um in den Naturwissenschaften bestehen zu können. Der Film begleitet Barbara, die Studentin, durch Studium, Praktika, Ausdauertraining und Himmelsbeobachtungen. Er soll auch dazu dienen, Frauen für Naturwissenschaften zu begeistern.

 
S-120/06

"Neurodidaktik der Fremdsprachen"
Dr. Manuela Macedonia, Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig für 2 Jahre Fr. 77'500.-

Als Sprachlehrerin hat Frau Macedonia neuartige, originelle Methoden in den Fremdsprachenunterricht eingeführt, deren theoretische Grundlagen in ihrer Dissertation erarbeitet wurden und die nun mit dem vorliegenden Projekt (das ihre Habilitation ermöglichen soll) vertieft werden sollen.
Diese neuen Lernmethoden basieren auf den Erkenntnissen der funktionellen Hirnforschung, welche Hinweise darauf geben, wie die Plastizität des Gehirns am effizientesten genutzt werden kann oder wie neue Gedächtnisinhalte am gründlichsten „verschaltet“ werden können. Zu diesem Zweck wird der audiovisuelle Lernvorgang mit einer sensomotorischen Komponente erweitert, d.h. es erfolgt eine Verstärkung des Lernvorgangs durch Gesten, Gebärden und Spiele, welche die zu lernenden Inhalte abbilden. Die Methode soll nun neurowissenschaftlich untersucht werden.

 
P-121/06 "Laborführungen & Praktika am Life Science Learning Center"
(Anschlussgesuch P-128/05)
Dr. Peter Jann, Life Science Learning Center, Universität Zürich,
Ü berbrückungsbeitrag Fr. 35'000.-

Das Life Science Learning Center wurde am 1. März 2006 eröffnet. Das Projekt „Labor-Demonstrationen & Praktika“ ist ein wichtiger Teil dieses Projekts und sehr erfolgreich. Die cogito foundation hat 2005 für die Startphase eine Anschubfinanzierung von Fr. 55'000.- für zwei Jahre gesprochen. Damit wurde unter anderem ein didaktisch naturwissenschaftlicher Projektmitarbeiter für ein Jahr im Rahmen einer 30% Anstellung finanziert. Das LSLC ging davon aus, dass dieser ab 1. Januar 2007 durch ETH und Universität Zürich besoldet würde. Nun wurde diese Entscheidung aus administrativen und organisatorischen Gründen verschoben. Damit diese wichtige Stelle und die disziplinübergreifende Zusammenarbeit mit den Pädagogen weitergeführt werden kann, wird ein Überbrückungskredit gewährt.

 
P-124/06

"Ägyptische Särge, Mumien und Masken in Schweizer Museen und Sammlungen"
Renate Siegmann lic.phil., Universität Basel Fr. 3'000.-

Die in der Schweiz existierenden 45 ägyptischen Sammlungen, deren Objekte zum grossen Teil in Depots lagern und somit der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, wurden systematisch von Ägyptologen sowie der Orthopädischen Universitätsklinik Balgrist und dem Anatomischen Institut der Universität Zürich untersucht. Nun sollen die Beschreibungen der Öffentlichkeit mittels Publikation im Chronos Verlag quasi in einem „virtuellen Museum“ zugänglich gemacht werden. Das Buch umfasst ca. 200 Seiten mit ca. 140 Farb- und 40 Schwarz/weiss-Abbildungen. Die cogito foundation leistet dazu einen Druckkostenbeitrag.

 
P-128/06

"Körper-Seele-Leib-Geist", Tagungsband
Dr. Christina Aus der Au Heymann, Universität Basel Fr. 4'000.-

Druckkostenzuschuss für die Publikation des Tagungsbandes "Körper-Seele-Leib-Geist". Der Band vereinigt eine Reihe von Referaten der Tagung, die ein breites Spektrum von Themen abdecken, welche das Verhältnis von Natur- und Geisteswissenschaften beleuchten. Mit der Unterstützung soll ein Akzent in der Nachwuchsförderung für disziplinübergreifendes Arbeiten gelegt werden, denn die Autorinnen und Autoren sind noch recht jung und erhalten Gelegenheit zu publizieren.

 
T-132/06

"Deliberating Future Technologies: Identity, Ethics and Governance of Nanotechnology" vom 3. – 5. Mai 2007
Prof. Dr. Sabine Maasen, Universität Basel Fr. 7'000.-

Das Institut für Wissenschaftsforschung möchte internationale Experten einladen, um mit ihnen in einem Dialog zwischen Geistes- und Naturwissenschaftern die Einflüsse zu beleuchten, welche die sozialwissenschaftlichen Begleitdiskurse auf die Genese der Nanowissenschaften ausüben. Inhaltlich will sich die Tagung mit der bislang wenig beachteten Fragestellung auseinandersetzen, wie sehr ethische Reflexion, Technikfolgenabschätzung, Techniksoziologie und rechtliche Implikationen die Nanotechnologie nicht nur begleiten sondern auch prägen. Dabei sollen auch die Unterschiede zu den „Gendiskursen“ und denjenigen in der Nanotechnologie aufgespürt werden, da hier die Diskussion zu einem sehr frühen Zeitpunkt begann.
Dies wird mit dem Team der Universität Basel im Lichte der dort durchgeführten Arbeiten reflektiert und diskutiert. Beteiligt sind die 4 cogito-Projektnehmer: Mario Kaiser (R-119/03), Monika Kurath (R-126/04), Beatrix Rubin (R-117/03) und Sabine Maasen.