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Projekte 2008 (Last Update: 11.03.2009) |
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| S-104/08 |
"Ubiquitäre Algorhythmen – Konturen einer Philosophie und Archäologie digitaler Medientechnologien"
Shintaro Miyazaki, Humboldt Universität Berlin Fr. 45'600.- (für 2 Jahre)
In seiner Lizenziatsarbeit vertrat Herr Miyazaki die These, dass die Entwicklung des Computers etwas mit Musik zu tun habe. Er bezieht diese Einsicht zum einen aus der Geschichte, wo er in frühen Musiknotationen Anzeichen digitalen Codierens zu erkennen glaubt oder darauf hinweist, dass Musikautomaten zu den ersten codierten Maschinen gehörten. Zum andern betrachtet er das Phänomen der digitalen Musik in all seinen Formen und Ausprägungen. Er versteht digitale Techniken als Prozesse die - gesteuert durch einen Algorithmus - zeitlich ablaufen. Ähnlich ist Musik für ihn ein Phänomen, das der Zeit einen Rhythmus "aufprägt". Dies führt zum heuristischen Begriff "Algorithmus". Aufbauend auf diesem Begriff sollen die historischen und technischen Grundlagen, Handhabung, Wirkung und Erleben digitaler Musik besser verstanden werden. Dabei lässt er es nicht damit bewenden, mit den verschiedensten Werkzeugen zur Musiksynthese zu experimentieren, er möchte auch die Technik und Physik dahinter verstehen lernen. |
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| P-106/08 |
"Espaces Temps.net", une revue en ligne pour le dialogue interdisciplinaire
Prof. Jacques Lévy, EPF Lausanne Fr. 90'000.- (für 2 Jahre)
Seit 30 Jahren wird an EPFL und Universität Lausanne die Zeitschrift "Espaces Temps" herausgegeben. Seit 2002 erscheint diese nur noch elektronisch. Sie war ursprünglich interdisziplinär in dem Sinne, dass verschiedene Bereiche der Geistes- und Sozialwissenschaften (Philosophie/Soziologie mit Geographie und Architektur) verbunden waren. Ziel der Herausgeber ist es nun, verstärkt in den Dialog mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen, in anderen Sprachen und mit anderen Institutionen zu treten. Bisher ist die Hauptsprache Französisch. Normalerweise werden drei Artikel pro Woche aufgeschaltet. "Espace Temps" verfügt über ein eigenes "Peer review Team", eine neun-köpfige Redaktionskommission, ein "Wissenschaftliches Comité" und eine "Herausgeber-Crew" mit Webmaster und Redaktoren sowie Layoutern. Da die Ziele der cogito foundation mit den neuen Zielen von "Espaces Temps" übereinstimmen, wurde die cogito foundation angefragt, diesen Ausbau zu finanzieren. Eine elektronische Zeitschrift mit zahlreichen aktiven Mitarbeitenden aus verschiedenen Gebieten hat den Vorteil, dass diese selbst rasch in einen Dialog eingreifen und neue Sichtweisen einbringen können.
http://www.espacestemps.net |
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| R-111/08 |
"Der affektive Stachel – Psychochirurgie nach dem Zweiten Weltkrieg"
Dr. Marietta Meier, Collegium Helveticum, Zürich Fr. 67'042.-
Die Gesuchstellerin, promovierte Historikerin, will die - Mitte des letzten Jahrhunderts etwa 10-15 Jahre lang angewandte - psychochirurgische Praxis der Lobotomie, die bei psychisch unheilbar kranken Patienten angewandte Durchtrennung der frontalen thalamocorticalen Bahn, wissenschaftshistorisch aufarbeiten. Sie versucht, ein naturwissenschaftliches Phänomen aus geisteswissenschaftlicher Perspektive zu betrachten und dabei vor allem die gesellschaftliche Dimension einzubeziehen. Als wichtigstes primäres Quellenmaterial dienen fachwissenschaftliche Publikationen über diesen schon seinerzeit umstrittenen hirnchirurgischen Eingriff, Krankengeschichten und Klinikakten sowie zeitgenössische Publikationen von Psychiatern, Neurobiologen, Juristen, Theologen und Philosophen zum Thema. Im Zentrum der Untersuchung steht die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, das Burghölzli. |
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| R-116/08 |
"Observing, understanding and perceiving climatic changes: historical case study of the year without summer"
Prof. Brönnimann, ETHZ Fr. 83'007.-
Das Jahr 1816 ist als "Jahr ohne Sommer" in die europäische Klimageschichte eingegangen, wegen der Hungersnöte aber auch in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Man nimmt heute an, dass die extreme Abkühlung durch eine hohe stratosphärische Staubbelastung hervorgerufen wurde, die ihrerseits die Ursache in der aussergewöhnlich heftigen Vulkaneruption des Tambora in Indonesien im Jahr zuvor hatte. Diesen Zusammenhang kannte man damals nicht, deshalb reichten die Erklärungsversuche von wissenschaftlich (Sonnenflecken, Meereis) bis zu abergläubisch (Blitzableiter). Der primäre Forschungsgegenstand dieses Projektes ist die öffentliche Wahrnehmung eines solchen Ereignisses. Die Gesuchsteller schlagen vor, verschiedene Ebenen der Wahrnehmung zu unterscheiden (gemessen, verstanden, gefühlt, modelliert) und die Rückkopplungen zwischen diesen Wahrnehmungen sowie die Kanäle der Rückkopplung zu untersuchen (Medien!). Dieses Ereignis soll somit als "case study" für Wahrnehmungsmechanismen dienen, wie sie in unserer Zeit im Zusammenhang mit der weltweiten Klimaänderung stattfinden. Gewissermassen als Nebenprodukt hoffen die Gesuchsteller, zur Ursachenforschung beizutragen. Dazu werden auswärtige Experten beigezogen (z.B. Christian Pfister, Bern). Es ist keineswegs sicher, dass das Tambora Ereignis die alleinige Ursache dafür war, dass es in der Schweiz in jedem Monat bis in die Niederungen schneite. Variationen der Sonnenstrahlung und die Nordatlantische Meeresströmung könnten den Effekt verstärkt haben. |
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| T-120/08 |
"Kopieren: Diebstahl geistigen Eigentums oder eine Form des Kompliments ?"
PD Dr. Gerald Kerth, Universität Zürich, Dr. Alfred Köpf, Rentsch & Partner Fr. 12'000.-
Die Problematik des Kopierens ist in letzter Zeit auf grosses Interesse gestossen, sowohl in den Bereichen der Wirtschaft, der Rechtswissenschaften, der Kunst wie auch in der Biologie. In den erstgenannten gilt Kopieren als Diebstahl geistigen Eigentums, es führt zu finanziellen und gesundheitlichen Schäden, Arbeitsplatzverlusten und Reputationsschädigungen. In der Biologie hingegen gilt Kopieren als eine Form sozialen Lernens und es spielt zudem in der Mimikry eine wichtige Rolle. Bisher fehlt es aber an interdisziplinären Ansätzen, um die Gründe und Konsequenzen von Kopieren in der Gesamtheit zu verstehen. Die beiden Gesuchsteller bitten um finanzielle Unterstützung für ein eintägiges Symposium mit anschliessendem 2-tägigem Workshop. Am Symposiumstag werden international renommierte Persönlichkeiten aus Natur-, Kunst- und Rechtswissenschaften Vorträge halten. Im Workshop sollen Biologen, Juristen, Kunstschaffende, Wirtschaftende und Patentanwälte Fragen diskutieren wie:
- Ist das in der Öffentlichkeit weit verbreitete negative Bild des Kopierens gerechtfertigt oder kann Kopieren langfristig Vorteile haben (wenn ja, in welchen Situationen), die einerseits über den unmittelbaren Nutzen für Kopierende hinausgehen und andererseits für Kopierte den zunächst entstehenden Schaden ausgleichen?
- Profitieren Gesellschaften von einem Gleichgewicht zwischen Innovation und Kopieren? Steigert Kopieren letztendlich sogar die Innovationsfähigkeit und/oder Reputation von kopierten Personen und Gesellschaften?
Symposium und Workshop bringen einen disziplinübergreifenden Dialog zum Thema "Kopieren" von Geistes- und Naturwissenschaftern sowie Kunstschaffenden zustande.
Programm
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| P-121/08 |
"Atlas (working title)"
Béatrice Barton, Yariv Friedman, BBD Polymedia Vésenaz Fr. 25'000.-
Die Gesuchsteller planen einen Dokumentarfilm zum Anlass der Inbetriebnahme des Large Hadron Collider (LHC) am CERN. Béatrice Barton arbeitet bei TSR (Télévison de la Suisse Romande) und betreibt daneben eine Produktionsfirma, Yariv Friedmann ist freischaffender Filmemacher. Der Film hat zwei Aspekte des einmaligen Experiments "LHC" zum Thema:
- Die wissenschaftliche Seite: Warum gibt man Milliarden aus, um (vielleicht) das Universum und seine Anfänge besser zu verstehen? Was bringt das für das tägliche Leben? Die Antwort des Films ist: "Die Freude an der Erkenntnis".
- Die menschliche Seite: Wie bringt man tausende von Wissenschaftern dazu, an einem solchen Projekt zu arbeiten und ihre persönlichen Ambitionen hintan zu stellen? Wie funktioniert ein solch gigantisches System aus Wissen, Wollen und Können?
Diese Fragen werden am Beispiel von "Atlas", einem der riesigen Detektoren illustriert. Leitfiguren sind George Mikenberg, einer der Projektleiter, Fabiola Giannotti, Vizedirektorin des Atlas-Projekts und John Ellis, ein aussenstehender Physiker. Es kommen aber auch andere zu Wort: Junge Forscher, Arbeiter, eine indische Anthropologin.
Der Film soll in zwei Versionen herauskommen: in einer 52-minütigen TV-Version und einer Kinoversion von 80 Minuten. |
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| P-133/08 |
"Swiss Mummy Project"
PD Dr. Dr. Frank Rühli, Anatomisches Institut, Universität Zürich Fr. 6'000.-
Die Mumienforschung ist ein weltweit vernetztes Forschungsgebiet, in dem die Universität Zürich mit dem "Swiss Mummy Project" eine führende Rolle spielt. Das neue Spezialgebiet trägt entscheidend zum Verständnis von Leben, Krankheiten und Kulturen bei. Menschliche Körper sind das beste Archiv zum Studium von Lebensbedingungen und evolutionären Entwicklungen heutiger Krankheiten. In der Forschung an Mumien werden primär nicht-invasive Methoden angewandt, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei kommen radiologische Untersuchungsmethoden wie Computertomographie und Magnetresonanz zum Einsatz. So wurde beispielsweise mittels eines modernen Multislice-Computertomographen "Oetzi" untersucht und bebildert. Solche Bilder zeigen das Innenleben der Mumie. Mit Hochleistungscomputern können diese dreidimensionalen, virtuellen Objekte interaktiv bewegt werden.
Der Beitrag der cogito foundation dient dazu, die Erkenntnisse aus der Mumienforschung interaktiv Schulen und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter der Leitung des Molekularbiologen und Didaktikers Luigi Bazzigher werden zusammen mit der Pädagogischen Hochschule, neue didaktische Konzepte für animierte, dreidimensionale, virtuelle Bildwelten als webbasierte Lernplattform wie auch Unterrichtsmaterialien entwickelt. |
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| T-136/08 |
"Cosmic Enthusiasm: The cultural impact of space exploration on the Soviet Union and Eastern Europe"
Prof. Monika Rüthers, Dr. Carmen Scheide, Julia Richers, Eva Maurer, Universität Basel Historisches Seminar /Universität Fribourg Fr. 3'300.-
Die Konferenz "Cosmic Enthusiasm: The cultural impact of space exploration on the Soviet Union and Eastern Europe since the 1950s" findet vom 22.-24. Januar 2009 statt. Sie untersucht die kurz-, mittel- und langfristigen Einflüsse des sowjetischen Raumfahrtprogramms auf die sowjetische und osteuropäische Kultur seit den 1950er Jahren. Dabei stehen nicht die politischen Konsequenzen des "Sputnik-Schocks" im Vordergrund, sondern vielmehr Alltag und Lebenswelten der Menschen im sozialistischen Osteuropa, wo der Aufbruch ins All auch zum Symbol eines gesellschaftlichen Neuanfangs wurde, wo Kosmonauten zu neuen sozialistischen Heldenfiguren wurden, und Architektur, Design, Literatur und Kunst die Technik und Formensprache der Raumfahrt in vielfältiger Weise aufnahmen und verarbeiteten. Kultur-, Kunst- und Wissenschaftshistorikerinnen und -historiker sowie Literaturwissenschafterinnen und -wissenschafter werden dabei den Bogen bis zur Bedeutung der Raumfahrt als (sowjetischer) Erinnerungsort im postsozialistischen Russland schlagen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den Raumvorstellungen und der Visualität der Raumfahrtkultur liegt.
Programm
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| T-137/08 |
T-137/08 Symposium: "Understanding Violence – Recent advances on biology, sociology and modeling"
Prof. Carmen Sandi, EPFL Lausanne Fr. 9’000.-
Das Laboratorium für Verhaltensgenetik im Brain and Mind Institute der EPFL Lausanne organisiert ein internationales Latsis-Symposium zum Phänomen "Gewalt". Das Thema soll umfassend aus biologischer (molekulargenetischer und physiologischer), psychologischer und sozialwissenschaftlicher Sicht beleuchtet werden. Auf all diesen Gebieten ist in den letzten Jahren reiches empirisches Material zur Thematik "Gewalt" gewonnen worden. Die Nature/Nurture-Interaktionen treten an diesem krassen Beispiel menschlicher Verhaltensstörungen besonderst klar zutage. Die behandelten Themen reichen von Genpolymorphismen, Serotonin- und Glucocorticoid-(Hormon-)Systemen über Imaging-Studien (Analyse neuronaler Aktivitäten im präfrontalen Cortex und limbischen System) bis hin zum Einfluss sozialer Hierarchien auf Gesundheitszustand und Gewaltrisiko bei Primaten oder zu sozioökonomischen Fragen, die sich mit dem Einfluss von sozialer Ungleichheit und Armut auf das Gewaltpotential von Individuen und Gruppen befassen.
Die Veranstalter haben ein hervorragendes Programm mit 25 internationalen renommierten Rednern und Diskussionsleitern zusammengestellt. Die cogito foundation übernimmt die Kosten für einen Redner aus Übersee und von zwei Nachwuchswissenschaftern.
Programm: http://latsis2009.epfl.ch/index.php?page=program |
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| R-143/08 |
"Entwicklung eines Masses für die Kohärenz von Wertesystemen"
Dr. Markus Christen, Dr. Thomas Ott, UFSP Ethik, UZH/ZHAW Wädenswil Fr. 20'000.-
Die Antragsteller wollen mit diesem Projekt den in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Kontexten zentralen Begriff der "Kohärenz" mit Methoden der statistischen Physik und der computational linguistics operationalisieren und damit für empirische Forschung in der Ethik nutzbar machen. Kohärenz eines Wertesystems gilt innerhalb der philosophischen Ethik wie auch in weiteren gesellschaftlichen und politischen Diskussionen als wichtige Grundlage bei der Beurteilung von Begründungen und auch der Glaubwürdigkeit von Diskussionsteilnehmern. Ebenso gelten Unvereinbarkeiten zwischen verschiedenen Wertesystemen - also fehlende Kohärenz - als Ursache für zahlreiche Konflikte der heutigen Zeit. Es handelt sich um ein echt interdisziplinäres Projekt, das verschiedene Natur- und Humanwissenschaften umfasst. Bei diesem Projekt im Rahmen des Universitären Forschungsschwerpunktes Ethik geht es darum, eine gebrauchsfertige Software für die Analyse von Kohärenz herzustellen, die leicht auch von anderen Forschenden genutzt werden kann. Der Beitrag der cogito foundation wird für die Finanzierung der Programmentwicklung am Institut für Angewandte Simulation der ZHAW Wädenswil verwendet. Dafür müssen die Elemente eines Wertesystems (Prinzipien, Werte, Urteile, Einzelfall-Überzeugungen) deren Kohärenz untersucht werden soll, als "Daten", schriftlich vorliegen. Mit computational linguistics soll ein Mass entwickelt werden, um die Nähe unterschiedlicher Texte zu quantifizieren. Das Programm soll der empirischen Moralforschung ein Instrument in die Hand geben, um beispielsweise die Bedeutung der Kohärenz von Wertesystemen quantitativ zu erfassen. Zudem hat das Projekt das Potential, Beiträge zu grundlegenden Fragen der Informationsgesellschaft zu leisten. |
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| S-148/08 |
"Systeme auf der Bühne, Friedrich Dürrenmatts Übertragung naturwissenschaftlicher Denkmuster in seine politische Theorie und seine Theaterstücke"
Patricia Käppeli, Prof. R. Käser, Universität Zürich Fr. 76'715.- (2 Jahre)
Im Zentrum des Dissertationsprojekts stehen die Entwicklung der politischen Theorie Friedrich Dürrenmatts und die Umsetzung dieser politischen Reflexionen in sein literarisches Werk. Das Hauptziel der Arbeit stellt die Analyse der politischen Theorie Dürrenmatts dar, welcher in der Forschung bislang kaum Beachtung geschenkt wurde. Es soll nun erstmals aufgezeigt werden, wie der Schweizer Schriftsteller in seinen Aufsätzen anhand des naturwissenschaftlichen Gesetzes der grossen Zahl eine Theorie seines politischen Denkens ausarbeitet und diese Reflexionen in sein literarisches Werk überträgt. Das Gesetz der grossen Zahl ist ein physikalisches Konzept, welches besagt, dass für die Forscher die Bewegungen des Einzelatoms chaotisch, zufällig und unberechenbar sind, während über das Verhalten einer gossen Menge von Gasmolekülen statistisch präzise Voraussagen gemacht werden können. Dürrenmatt übersetzt nun diese naturwissenschaftlichen Denkmuster auf einzelne Individuen (Einzelatome) und das gesellschaftliche System (grosse Menge Gasmoleküle). Durch diese Übertragung gelingt es Dürrenmatt, das für ihn zentrale Problem seines Schaffens, die Frage nach der Steuerbarkeit politischer Systeme der Moderne sowie der Verantwortbarkeit des individuellen Handelns in solchen Systemen, literarisch darstellbar zu machen. Die Dissertation wurde Anfang 2007 begonnen und soll im Hinblick auf den 90. Geburtstag von Friedrich Dürrenmatt im Jahre 2011 veröffentlicht werden. |
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| F-151/08 |
"Biotechnologie und Moralische Urteilsbildung im Schulzimmer"
Dr. Philipp Aerni, IED, ETH Zürich/ Collegium Helveticum, Zürich Fr. 55'000.-
Im Rahmen des SNF-NFP 59 "Nutzen und Risiko der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen" wurde ein Subprojekt "Swiss Education Policy and Agricultural Biotechnology: The Challenges of Enabling Students to make their own moral Judgments" bewilligt, das nun aufgeteilt wurde. Das Projekt versucht die Agrarbiotechnologie in die Schulen zu bringen. Die Schülerinnen und Schüler sollen dabei nicht nur mit neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern auch mit innovativen Ansätzen in der Ethik und der Moralerziehung vertraut gemacht werden. Aus diesem Grunde wird Frau Darcia Narvaez, Associate Professor of Psychology an der Notre Dame University, für drei Monate (Mai - Juli 2009) ans Collegium Helveticum eingeladen, um ihre Erfahrung betr. Moralerziehung in das Projekt einzubringen. Thematisch ist geplant, Mittelschülerinnen und -schüler im Rahmen von "Biotechnologie im Schulzimmer" nicht nur mit den neuen Entwicklungen der Agrarbiotechnologie, sondern auch mit neuen Ansätzen der Moralerziehung und empirischen Sozialforschung vertraut zu machen. Das Projekt zielt auf die Ausarbeitung entsprechender Unterrichtskonzepte und Testverfahren - mit dem generellen Ziel, "ein fachlich kompetentes, aktives Interesse an der Materie für eine autonome moralische Urteilsbildung" zu wecken. Damit soll einer vor allem politisch bestimmten Urteilsbildung entgegen gewirkt werden. Mit detailliert ausgearbeiteten Plänen soll das Konzept an vier Kantonsschulen (SAM Davos, Altdorf, Limmattal, Enge, Alte Kantonsschule Aarau) erprobt werden. |
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| R-155/08 |
"Neurodidaktik der Fremdsprachen" (Fortsetzung zu S-120/06)
Dr. Manuela Macedonia, MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig Fr. 39'618.45
Die Gesuchstellerin hat in ihrer 16-jährigen Sprachunterrichtspraxis einen Zusammenhang zwischen Lernerfolg und der Anwendung ikonischer Gesten beim Vokabellernen beobachtet. Sie wollte kognitiv-psychologisch ergründen, warum Lernende, im Vergleich mit traditionellen audiovisuellen Lernen, sich mehr Vokabeln merken, wenn sie eine Bewegung zum Wort ausführen und, warum sie diese Vokabeln langsamer vergessen. Ihre Beobachtung aus der Praxis vertiefte sie in ihrer Dissertation (2003). Darin konnte sie nach Durchführung einiger Verhaltensstudien eine erste Erklärung zum Thema bieten: Sensomotorisch gelernte Vokabeln führen zu besseren Gedächtnisleistungen, weil sie komplex enkodiert werden, d.h. zu so genannten tiefen Codes führen. Wörter der Fremdsprache, die hingegen durch lesen und hören gelernt werden, führen zu seichter Enkodierung. Für die neurowissenschaftliche Fortsetzung ihrer Arbeit konnte die Antragstellerin 2006 die Partnerschaft von Frau Prof. Angela Friederici am Max-Planck-Institut für humane Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig gewinnen.
Die erzielten Resultate der Zusammenarbeit sind bemerkenswert und neuartig: Macedonia konnte in einer Verhaltensstudie zeigen, dass nur Gesten mit Symbolizität und Kongruenz der Ausführung den Lernerfolg signifikant positiv beeinflussen. Andere Arten von Gesten unterstützen das Lernen der Vokabeln nicht im gleichen Ausmass. In einem weiteren Experiment mittels funktioneller Magnetresonanztomographie konnte Macedonia zeigen, dass Wörter die durch symbolische bzw. kongruente Gesten gelernt werden, Aktivität im prämotorischen Kortex auslösen, selbst wenn die Versuchsperson die Wörter lediglich liest und hört. Dies ist nach Ansicht Macedonias darauf zurück zu führen, dass das Wort samt seiner im Training "hinzugefügten" motorischen Komponente gespeichert wird. Wenn ein Bereich des Wortnetzwerks durch sensorischen Reiz, in diesem Fall Schriftbild und lautliche Gestalt des Wortes aktiviert wird, breitet sich Aktivität auch in damit verbundene Teile des Netzwerkes aus, mitunter in die Motorik. Indem Motorik zur neuronalen Repräsentation des Wortes gehört, könnte seine Speicherung im prozeduralen Gedächtnis erfolgen und seine Langlebigkeit dadurch erklärt werden.
Weiter konnte in diesen Experimenten gezeigt werden, dass Versuchspersonen mit schwachen Lernleistungen vom sensomotorischen Lernen besonderen Nutzen ziehen.
http://www.youtube.com/watch?v=i3ACkpBqDeY |
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| T-161/08 |
Tagung: "Latente Bilder. Erzählformen des Gebrauchsfilms"
Profs. Christoph Schenker, Hannes Rickli, Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), Zürich Fr. 15'000.-
«Latente Bilder. Erzählformen des Gebrauchsfilms» ist ein Symposium im Rahmen des Forschungsprojektes der ZHdK "Überschuss. Videogramme des Experimentierens", welches Fallstudien zum Mediengebrauch in drei beteiligten verhaltensbiologischen Laboratorien mittels Video festhält. Nun soll dazu vom 18. - 20. Juni 2009 im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) Karlsruhe unter der Leitung von Hannes Rickli des Instituts für Gegenwartskünste der ZHdK in Kooperation mit dem Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum stattfinden. Dieses Institut ist - als vielleicht weltweit einziges - auf Industriefilme und weitere Formen des Gebrauchsfilms spezialisiert. Damit sollen, die Resultate des Forschungsprojekts der ZHdK in einen grösseren Zusammenhang gestellt und breit diskutiert werden, um eine zeitgenössische Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Wissenskulturen aufzunehmen.
Die Tagung möchte die verschiedenen Akteure des Gebrauchsfilms - naturwissenschaftliche Operateure, ästhetische und geisteswissenschaftliche Interpreten - zusammenführen, sodass Biologen und Bildproduzenten gemeinsam ergründen, wie und wann sich wissenschaftliche Daten in ästhetische Objekte verwandeln und welche Bedeutung Ästhetik im Experiment zukommt. Insbesondere sollen die Übergänge vom Labor zum Kunstraum, vom Messresultat zum Film, von der wissenschaftlichen zur wissenschaftspolitischen Praxis und vom gefundenen zum verlorenen Material haben. Dies wird in vier Panels mit Referenten aus Naturwissenschaft und Kunst beleuchtet.
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