the cogito foundation
 
  Projekte 2010   (Last Update: 22.08.2011)
   
 
S-109/10 

"algorhythmisiert" (Anschlussgesuch S-104/08)
Shintaro Miyazaki, Humboldt Universität, Berlin Fr. 24'120.-

Die allgemein herrschende Meinung, dass digitale Medien nur virtuell sind und keine Materialität haben, ist nur halb wahr. Der Gesuchsteller geht der These nach, dass eine Kulturtheorie, die sich mit Computern beschäftigt, sich auch mit Musik auseinandersetzen muss. Diese auf den ersten Blick abenteuerliche Aussage wurde in den letzten 2 Jahren untersucht. Digitale Informationstechnologien wurden auf ihre "Algorhythmik" hin "belauscht." Aktuelle digitale Techniken werden als Prozesse verstanden, die - gesteuert durch ultraschnelle und präzise Algorithmen - in Echtzeit ablaufen. Ähnlich ist Musik ein Phänomen, das der Zeit einen Rhythmus "aufprägt". Dies führt ihn zum heuristischen Begriff "Algorhythmus" eine Kombination von Computer (Algorithmus) und Musik (Rhythmus). "Algorhythmen" sind transsonische Prozesse, die meist unhörbar sind. Sie können aber mittels technischem Modulationsverfahren in hörbare, messbare und spürbare Rhythmen transformiert werden.

Aufbauend auf diesem Begriff sollen die historischen, technischen und erkenntnistheoretischen Grundlagen, die Handhabung, Wirkung und das Erleben digitaler Informationstechnologien besser verstanden werden. Dabei lässt es der Gesuchsteller nicht damit bewenden, mit den verschiedensten Medien zu experimentieren, denn er möchte auch die Technik und Physik dahinter verstehen lernen. Dieses Anschlussgesuch ermöglicht, die Dissertation fertig zu stellen.

   
R-112/10

"Natural Computation"
Prof. Michael Hampe, Martin Schüle, ETH Zürich Fr. 39'150.-

Echt disziplinübergreifenden Arbeiten, wie das Projekt von Martin Schüle, sind in der heutigen Wissenslandschaft selten. Das Projekt ist Teil eines grösseren Forschungsvorhabens am Lehrstuhl für Philosophie der ETH in Kooperation mit dem Institut für Neuroinformatik von Universität und ETH Zürich. Hier findet die von der cogito foundation gewünschte Zusammenarbeit zwischen Philosophen und Naturwissenschaftern wirklich statt. Es versucht, die für viele heutige Naturwissenschaften wichtigen Begriffe "computation" und "information" einer grundlegenden Analyse zu unterziehen. Dabei wird den beiden Begriffen eine eingehende Untersuchung in den Natur- und den Computerwissenschaften gewidmet. Ausgehend von den klassischen Definitionen von "computation" und "information" (aufgestellt von Alain Turing und Claude Shannons) werden dazu alternative Konzepte und Ideen, wie sie in den letzten Jahren in den Naturwissenschaften entwickelt wurden, kritisch geprüft. Daran anschliessend erarbeitet das Projekt eine historische und die aktuelle Debatte berücksichtigende systematische Klärung der beiden Begriffe. Dies zeigt ihre Verbindung zu den grossen Themen der Mathematik- und Philosophiegeschichte auf, wie etwa zu Leibniz' Theorie der Infinitesimalrechnung oder zu Hilberts Programm zur Grundlegung der Mathematik. Der philosophisch-historische Teil weist aber auch einen Bezug zu aktuellen Diskussionen in den Naturwissenschaften auf, etwa zu den in den Neurowissenschaften und in der Philosophie des Geistes kontrovers diskutierten "natural computation", die das Gehirn oder der Geist tätigt, oder zur aktuellen Debatte in der Quanteninformatik zum epistemologischen und ontologischen Status von "Information".

   
P-113/10

"Das Wissenschaftszentrum der UZH im Campus Irchel"
Prof. Michael Hengartner, Dekan MNF, Universität, Zürich Fr. 250'000.-

Initialfinanzierung einer Plattform der Mathematisch Naturwissenschaftlichen Fakultät (MNF) der Universität Zürich, wo Schüler und Lehrer der Mittelschulen ein besseres Verständnis für Mathematik und Naturwissenschaften vermittelt und damit Neugier und Lust auf diese Fächer geweckt wird. Einerseits soll ein Lernlabor für Schulklassen entstehen, andererseits soll sich das Zentrum in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften auf Gymnasialstufe engagieren. Als Drittes sollen Kursangebote für besonders begabte Mittelschülerinnen und Mittelschüler geschaffen werden, damit diese frühzeitig in die wissenschaftliche Arbeit eingeführt werden.

Es existieren bereits eine Reihe von Angeboten für Jugendliche an der MNF: wie die Junior Euler Society, Laborführungen für Interessengruppen oder das Life Science Learning Center. Das geplante Wissenschaftszentrum wird es erlauben, das bisherige Angebot sinnvoll zu ergänzen, zu koordinieren und damit wertvolle Synergien zu nutzen. Kenntnisse von Mathematik und Naturwissenschaften sind für unsere Gesellschaft von grosser Bedeutung, insbesondere deren Beitrag zur Lösung anstehender Probleme. Es ist deshalb wichtig, Schülerinnen und Schüler für diese Wissenschaften zu begeistern.

Die vor bald 20 Jahren erlassene Maturitätsverordnung hat bewirkt, dass das naturwissenschaftliche und technische Bewusstsein der Jugend abgenommen hat. Hier möchte die cogito foundation zusammen mit der MNF in Zukunft Gegensteuer geben und einen neuen Schwerpunkt setzen. Wichtig ist auch, den Lehrerinnen und Lehrern den jetzigen Stand der Wissenschaft in den naturwissenschaft-lichen Fächern bekannt zu machen und ihnen zu zeigen wie Experimente aufgebaut werden und was daraus gelernt werden kann.

   
R-114/10

"Lehren aus Persönlichkeitsforschung an der sozial flexiblen Striemengrasmaus für Psychologie und Biologie"
PD Dr. Carsten Schradin Universität Zürich Fr. 30'000.-

Die Persönlichkeit eines Individuums bestimmt, wie es sich in spezifischen Situationen verhalten wird. Das Verhalten unterscheidet sich daher zwischen Individuen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Die Psychologie untersucht "Persönlichkeit" seit mehr als einem Jahrhundert – mit dem überraschenden Ergebnis, dass menschliches Verhalten unter natürlichen Bedingungen häufig wenig konsistent ist, so dass ein Individuum z. B. Pünktlichkeit in der Schule zeigt, aber nicht im privaten Bereich. In der Biologie entwickelte sich die Persönlichkeitsforschung erst in den letzten 10 Jahren. Das ist erstaunlich, da jeder, der Erfahrungen mit Haustieren hat, weiss, dass sich zum Beispiel Hunde und Katzen in spezifischen Situationen vorhersagbar verhalten und sich von anderen Individuen derselben Art unterscheiden. Biologen messen Persönlichkeitsmerkmale bei Tieren unter standardisierten Laborbedingungen, indem sie die Tiere in einer "Experimentalbox" unter künstlichen Bedingungen testen. Im Gegensatz zur Psychologie gibt es kaum Studien unter natürlichen Bedingungen. Auch gibt es wenige Langzeitstudien mit wild lebenden Tieren, welche uns die evolutiven Konsequenzen von Persönlichkeitsunterschieden verstehen lassen.
Dieses Projekt will deshalb Persönlichkeitsmerkmale bei der südafrikanischen Striemengrasmaus (Rhabdomys pumilio) einer Art mit ausgeprägter sozialer Flexibilität, untersuchen:

  1. Ob im Freiland gemessene Persönlichkeitsmerkmale zeitlich konsistent sind, und ob sie mit Persönlichkeitsmerkmalen korrelieren, die unter standardisierten Laborbedingungen gemessen wurden. Dies ist die erste Studie, in welcher Persönlichkeitsmerkmale an einer anderen Art als dem Menschen im Freiland gemessen werden.
  2. Testen, ob sich die "Persönlichkeiten" von Striemengrasmäusen verändern, wenn sie ihre soziale Taktik ändern, z. B. vom Gruppenleben zu einer solitären Lebensweise.
  3. Ausserdem prüfen, inwieweit sich der Fortpflanzungserfolg von Mäusen mit verschiedenen "Persönlichkeiten" zwischen ökologisch unterschiedlichen Jahren unterscheidet, so dass in einem Jahr die eine Persönlichkeit besser ist, in einem anderen Jahr die andere. Dies könnte erklären, warum die Varianz in Persönlichkeitsmerkmalen aufrechterhalten wird.
  4. Testen, inwieweit das Hormon Testosteron und das Stresshormon Corticosteron mit verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen korrelieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Wissen aus der Psychologie und der Biologie zusammengebracht werden soll, um zu einem besseren und umfassenderen Verständnis von "Persönlichkeit" zu kommen. Psychologen können menschliche Persönlichkeiten vielleicht besser verstehen, wenn sie wissen, dass "Persönlichkeit" ein im Tierreich weit verbreitetes Merkmal ist, welches evolutiv entstanden ist.
 
R-116/10  

"The Neuroscience and Behavioral Economics of Poverty"
Prof. Ernst Fehr, Dr. Johannes Haushofer, IEW, Universität Zürich Fr. 64'910.-

Das Projekt gehört in den neuerdings stark wachsenden Bereich der "behavioral economics", d.h. Verhaltensökonomie. In einer Feldstudie soll erforscht werden, ob Eingriffe auf der Verhaltensebene im Bereich der Entwicklungsökonomik eine sinnvolle Strategie sind, um Armut zu verringern. Um eine Antwort auf die Frage zu finden, ob Armut psychisches Wohlbefinden beeinflusst, wird untersucht, welche psychologische Konsequenzen Armut allenfalls hat. Das Projekt kombiniert Experimente unter Laborbedingungen mit Feldstudien, wo eine in der Ökonomie noch junge Technik – sogenannte "Randomized Controlled Trials" (RCT) – eingesetzt werden. Um kulturelle Aspekte des Verhaltens besser einzubeziehen, werden Untersuchungen in der Schweiz mit solchen in Kenya verglichen. Damit sollen Mechanismen identifiziert werden, durch welche Armut sich selbst perpetuiert und mit deren Hilfe Programme zur Armutsbekämpfung bessere Effekte erzielen könnten.

Das Projekt bringt Ökonomen, Neurobiologen und Psychologen zusammen. Es wird nicht mehr nur davon ausgegangen, dass ein materielles Phänomen wie Armut die Psyche und die Vernunft des Menschen beeinflusst, sondern dass auch umgekehrt psychische Dispositionen und vernünftige Strategien materielle Konsequenzen haben können. In ethischer Hinsicht nicht ganz unbedenklich sind die RCTs, wenn zum Beispiel einer Gruppe von "Armen" im Feldversuch Güter zugeführt werden, welche der Kontrollgruppe gleichzeitig vorenthalten werden. Diese Ungleichheit wird allerdings durch sorgfältige Aufklärung der Teilnehmer und angemessene Entschädigung für die von ihnen investierte Zeit verringert. Die cogito foundation unterstützt die weitgefächerten Feldstudien vorerst für ein Jahr.

 
T-123/10  

Conference "Application of Social Network Analysis"
Dr. Karin Ingold, ETH, Zürich Fr. 2'000.- 

Die 7. Konferenz "Application of Social Network Analysis" (ASNA) hat zum Ziel den aktuellen Stand sowie Innovationen in der Sozialen Netzwerkforschung zu diskutieren. Sie findet mit internationaler Beteiligung an der ETH Zürich vom 15.-17. September 2010 statt. Sie will den Sozialwissenschaftern die Netzwerkanalyse und die Dynamik des Gebietes zugänglich machen. Jungen Forschenden wird ermöglicht, Netzwerk Applikation direkt bei deren Entwicklern zu lernen (Workshops am ersten Tag). Zudem ist die Tagung eine Plattform, an den beiden Folgetagen die neusten Entwicklungen verschiedenster Disziplinen vorzustellen. Damit fördert die Konferenz den Austausch zwischen den exakten Wissenschaften wie Mathematik und Neurobiologe mit den Sozial- und Geisteswissenschaften (Soziologie und Psychologie).

Soziale Netzwerkanalyse (SNA) schlägt vor, den Fokus vom einzelnen Akteur auf eine Gruppe von Akteuren und Verbindungen zwischen diesen zu erweitern. SNA ist daher vom Paradigma geprägt, den strukturellen Kontext einzubeziehen, um verschiedene Phänomene aus unterschiedlichsten Wissenschaften wie Soziologie, Politologie, Kommunikationswissenschaften, Sozialpsychologie, Anthropologie, Wirtschaft, Biologie, Physik etc. zu studieren. In den letzten Jahren wurde zudem die zeitliche Dimension immer mehr in die Netzwerkforschung einbezogen. Es ist deshalb von Interesse ob und wie die Netzwerkstrukturen von vorherigen Strukturen abhängen oder welche zukünftige Dynamik angenommen werden kann. Die meisten interdisziplinären und sektorenübergreifenden Forschungsprojekte nehmen die zeitliche Achse und Dynamik des Netzwerkes heute auf.
Die cogito foundation übernimmt die Reisekosten von Professor Thomas W. Valente, University of Southern California, Los Angeles. http://www.asna.ch

 
T-127/10

"10th International Summer School on Humour and Laughter: Theory, Research and Applications"
Prof. Willibald Ruch, Universität Zürich Fr. 2'500.-                  

2001 wurde die "Summer School on Humour and Laughter" gegründet. Nach 2006 findet die jährliche Veranstaltung 2010 wiederum in der Schweiz (5.-10. Juli 2010) im Seminarzentrum Boldern statt. Ziel ist es, Studierende und renommierte Forscher aus der ganzen Welt während einer Woche zusammen zu bringen um neueste Forschungsresultate aus verschiedenen Blickwinkeln zu diskutieren. Die eingeladenen Referenten präsentieren in 22 Vorträgen ihre Forschungsarbeiten und bieten vier Workshops an. Es werden Methoden und empirische Resultate sowie Anwendungen der Humorforschung vor allem im Gesundheitsbereich mit Personen aus andern Gebieten wie Psychologie oder therapeutisch tätigen Clowns hinterfragt.

Die Teilnehmer kommen aus allen Kulturkreisen der Welt von Australien, USA, Russland und zahlreichen europäischen Ländern. Die cogito foundation übernimmt die Reisekosten der Profs. Rod R. Martin, University of Western Ontario (Fr. 1'800.-) und Christie Davies, University Reading (Fr. 700.-) total Fr. 2'500.-.
http://www.humoursummerschool.org/10

 
P-132/10

"Nomadic Women and Health Practice. Islamic Belief and Medical Care"
Dr. Anna Münch, Bern, Fr. 5'000.-

Die Studie zu Gesundheitsverständnis und Krankheitsvorstellungen der Kel Alhafra Tuareg in Mali soll auf Englisch herausgegeben werden. Politische Veränderungen, Flucht und Vertreibung haben die Kel Alhafra Tuareg in Mali während der vergangenen Jahre zunehmend marginalisiert. Angesichts ihrer ungewissen Situation stellen religiöse Werte ein neu gewichtetes, Stabilität stiftendes Gerüst dar. Gleichzeitig findet ein entgegengesetzter Prozess der Rationalisierung statt, wobei sich die Haltung dem Körper gegenüber verändert: Es wird eine zunehmende Mechanisierung im alltäglichen Leben und ein Wissensdrang nach westlicher Medizin festgestellt. Die Studie zeigt den Einfluss dieser Dynamik auf Gesundheit, hilfesuchendes Verhalten und medizinische Versorgung in einer scheinbar radikalisierten islamischen Gesellschaft, mit einer der höchsten Kindersterblichkeitsraten der Welt. Spezifisches Augenmerk gilt den nomadischen Frauen und Kindern, wobei aus vertraulichen Gesprächen von Frau zu Frau erstaunliche Einblicke in den Bereich jener Krankheiten und Erlebnisse gewonnen werden, die den weiblichen Lebenszyklus betreffen.

Die interdisziplinäre Arbeit der Islamwissenschaftlerin verbindet anthropologische, linguistische und epidemiologische Ansätze und gelangt so zu einem umfassenden Verständnis von Gesundheit und Krankheit in einer Nomadengruppe, die am Rande und quer zur staatlichen, aber auch zur internationalen Gesundheitsversorgung lebt.

 
T-133/10

Conference "Social decision making: bridging economics and biology"
Prof. Laurent Lehmann, Université Neuchâtel, Fr. 18'000.-

Am Centro Stefano Franscini (Monte Verità) findet vom 17. - 20. April 2011 das Symposium "Social decision making: bridging economics and biology"statt. Dort sollen Entscheidungsstrukturen im Bereich von Ökonomie und Evolutionsbiologie verglichen und auf ihre gemeinsamen Grundlagen geprüft werden. In beiden Bereichen müssen handelnde Agenten (Organismen oder Personen) individuelle Kosten/Nutzen-Entscheidungen innerhalb eines sich ständig wechselnden Umfelds treffen. Mit der Thematik ihres Symposiums haben die Veranstalter die Zeichen biologischer und sozialwissenschaftlicher Zeit treffend erkannt und ein Konzept entwickelt, das Theorieentwicklungen in beiden Bereichen forschungsnah und damit produktiv zu-sammenführt. In der Evolutionsbiologie werden heute die klassischen Ansätze, die von festen Genotyp-Verhaltens-Beziehungen ausgehen, zunehmend durch Modelle ersetzt, welche die Dynamik der Ontogenie und der Verhaltensmotive während der Lebensspanne der Organismen einbeziehen. In ähnlicher Weise hat sich die Ökonomie von ihren klassischen "rational-choice"-Ansätzen entfernt, die auf nahezu unbegrenztem Informationszugriff und Verarbeitungspotential der handelnden Personen beruhen, und Modelle entwickelt, die mit "bounded rationalities" operieren.

Das Symposium will diese Konfluenz der Gedankenströme in Evolutionsbiologie und Ökonomie in vier Sessionen (Theoretische Parallelen zwischen evolutionsbiologischen und ökonomischen Theorien, "bounded rationality" im sozialen Kontext, dynamische Lernmodelle, Mikroökonomie und Verhaltensökologie) thematisieren, in denen jeweils ein Evolutionsbiologe und ein Ökonom das Einführungsreferat halten. Diesen Plenarvorträgen folgen Workshops und Diskussionsrunden. Von den Sessionen, die weitgehend als offene Diskussionsforen konzipiert sind, sollen vor allem Nachwuchswissenschaftler beider Disziplinen im Hinblick auf ihre Forschungsprojekte und die Möglichkeit neuer Forschungskooperationen profitieren. Hier liegt die Hauptstossrichtung der Veranstaltung.

Der Beitrag der cogito foundation deckt Reise- und Unterkunftskosten von 12 Doktorierenden und Postdoktorierenden sowie die Kosten für die Einladung eines prominenten Redners für einen öffentlichen Abendvortrag (dieser musste leider kurzfristig abgesagt werden). http://www.evolvingeconomics.com/

 
R-134/10

"Astronomische Chronologie des östlichen Mittelmeerraumes und Meso-potamiens im 2. und 1. Jahrtausend v. Chr."
Dr. Rita Gautschy, Universität Basel Fr. 58'330.-

Es werden Anwendungen der astronomischen Chronologie im Bereich der Altertumswissenschaften untersucht. Die Chronologien Ägyptens, Assyriens, Babyloniens und der kleineren vorderasiatischen Reiche sind durch schriftlich belegte Synchronismen miteinander verwoben. Durch eine Analyse der belegten Synchronismen und der überlieferten astronomischen Beobachtungsdaten aus diesem grossen geographischen Raum wird versucht, die unterschiedlichen, teils stark divergierenden Chronologien der einzelnen Gebiete aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. in bessere Übereinstimmung zu bringen. Dazu werden einerseits ägyptische Monddaten, und andererseits babylonische Planetenbeobachtungen, Monddaten, Ominatexte und Finsternisberichte betrachtet. Für eine korrekte zeitliche Zuordnung astronomischer Beobachtungsdaten sind konsistente Berechnungen unabdingbar, deshalb werden eigene Computerprogramme verwendet, die auf den aktuellsten, für historische Ereignisse geeigneten Ephemeriden beruhen. Die bereits vorhandenen Programme werden erweitert, um sämtliche überlieferte astronomische Beobachtungen berücksichtigen zu können. Nach den Berechnungen müssen die Textquellen kritisch gelesen und deren Unsicherheiten beim Vergleich der Beobachtungsdaten mit den himmelsmechanischen Rechnungen berücksichtigt werden. Da viele astronomische Ereignisse von Natur aus zyklisch sind, werden zusätzliche Einschränkungen benötigt, um die Beobachtungsdaten zeitlich korrekt zu verankern. Dabei können schriftlich belegte Synchronismen, 14C-Daten und archäologische Daten wie die Zerstörungs- und Ablagerungsschichten des Vulkanausbruchs von Thera helfen. Eine übereinstimmende Chronologie für den gesamten Mittelmeerraum und den Nahen Osten wäre von grossem Nutzen für Untersuchungen, die sich mit den Kulturen und dem Handel untereinander im 2. Jahrtausend v. Chr. beschäftigen.

 
T-140/10

"Wievieler Sprachen müssen wir mächtig sein? Sprachenvielfalt in den Wissenschaften"
Profs. Johannes Fehr und Gerd Folkers, Collegium Helveticum, Zürich, Fr. 15'000.-

Der Referatsleiter des Ausschusses Internationale und Konstitutionelle Angelegenheiten des Europäischen Parlaments, Prof. Dr. Peter Schiffauer, hält am 9. Juni 2011 in der Semperaula der ETHZ einen öffentlichen Vortrag zur Bedeutung der Mehrsprachigkeit für die wissenschaftliche Arbeit im Rahmen der EU. Dies ist der Auftakt zum Projekt-Workshop am Collegium Helveticum mit hochkarätig zusammengesetzten internationalen Experten. Als Teilnehmende für Vortrag und Workshop werden Persönlichkeiten eingeladen, die auf Grund eigener Erfahrung in ihrer wissenschaftlichen Forschung und/oder beruflichen Tätigkeit für diese Thematik in besonderer Weise sensibilisiert sind. Dort soll diskutiert werden, wie und ob sich Sprachenvielfalt auf den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess auswirkt.

Erste These dazu ist: Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich in Erkenntnisprozessen, zu denen Personen verschiedener Muttersprachen in diskursiven Prozessen beitragen, die Reduktion der Verständigung auf eine einzige Sprache auch inhaltlich auf das Resultat auswirkt, welches der Prozess hervorbringt.

Zweite These: Am Beispiel des Englischen wird eine grundlegende Problematik sichtbar, die über die skizzierte Entwicklung hinausgreift, nämlich, dass wissenschaftliche Erkenntnis als solche der Übersetzung bedarf - und zwar von einer jeweiligen Fachsprache in die vor Ort gesprochenen Umgangssprachen.

Darauf basierend sollen in einer weiteren Phase Vorschläge für konkrete Massnahmen formuliert werden, wie in Forschung und Lehre der Bedeutung der Sprachenvielfalt angemessen Rechnung getragen werden kann.

 
P-145/10

"Denke mit - nothing 4us without us"
Dr. Barbara Tschopp, Thun, Fr. 40'000.-

Im Bereich der Nachwuchsförderung für naturwissenschaftliche und technische Berufe bestehen in der Schweiz zahlreiche Projekte. Um Kinder und Jugendliche für Technik zu begeistern, werden ihnen je nach Altersstufe Programme angeboten, wo sie basteln, experimentieren, forschen und verschiedene wissenschaftliche Aufgaben lösen können. All die Projekte werden vom Erwachsenen-Standpunkt aus entwickelt - im Sinne: Was glauben Erwachsene, sei für Kinder und Jugendliche interessant.

Im Projekt "Denke mit" jedoch diskutieren Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16-25 Jahren in eigener Regie auf Facebook über gesellschaftlich relevante Zukunftstechnologien und ihre diesbezügliche Verantwortung. Sie recherchieren, geben ihre Vorstellung preis, wie sie als Entscheidungsträger von Morgen die Zukunft gestalten würden. In Bezug auf ihre Rolle als Stimmberechtigte werden auch die "an Technik Uninteressierten" zur Meinungsäusserung motiviert. Damit im Eifer der Diskussion die sachliche Korrektheit nicht auf der Strecke bleibt, werden Experten mit einbezogen. Die auf Deutsch verfassten Texte könnten in Fremdsprachen übersetzt werden, damit sie als Grundlage für schulische, auf Zukunftstechnologien sensibilisierende Debatten benutzt werden können. Als Finale ist ein Diskussionswettbewerb vorgesehen, mit dem von den Jugendlichen ausgewählten Preis: "Begegnung mit einer Technologie des 21. Jahrhunderts".

Auf der projekteigenen Website www.denkemit.ch werden Vorschläge von Themen und Links aufgeführt. Die Inhalte und die Art der Begegnung mit Experten werden von den Diskutierenden selbst erarbeitet. Der Preis des Wettbewerbs wird ebenfalls von den Jugendlichen selbst ausgewählt.

Das Projekt soll die Teilnehmenden zum Nachdenken und Recherchieren über die Bedeutung von Naturwissenschaft und Technik motivieren, einerseits für ihre eigene berufliche Laufbahn, andererseits für das Wohl der Gesellschaft. Die Resultate der Debatte werden breiten Kreisen zugänglich sein. Dadurch wird zum Stiftungsziel beigetragen: Ein besseres Verständnis für die Denkweise der Naturwissenschaften in der Öffentlichkeit zu schaffen.
 
R-146/10

"Krebs aus der Sicht der Maya-Kultur und des Stands der gegenwärtigen medizinischen Forschung : Die kulturelle Formung von biologischem Wissen und Umweltwissen"
Prof. Roland W. Scholz, Monica Berger Gonzalez, ETHZ, Fr. 50'000.-

Ziel des Projektes ist es die gegenwärtigen wissenschaftlichen Annahmen, Konzepte, Modelle und Theorien über Krebs mit dem Verständnis von Ursachen, Ontologie und Therapie von Krebs aus der Sicht des Maya Council of Elders of Guatemala (MCEG) in Beziehung zu setzen.

Als Hauptprodukt wird eine Dokumentation des Maya Wissens auf der Grundlage der Ergebnisse von Interviews mit ausgewählten Maya "Elder" und Heilern aus fünf ethno-linguistischen Regionen der Mayas in Guatemala erstellt. Das Projekt beinhaltet Workshops, die einen Konsensus-Bildungs-Prozess der enthno-linguistischen Gruppen unterstützen und realisieren, um den heute vorhandenen gemeinsamen Wissens-Kern der Mayas beschreiben.

Methodologisch wird dieses Projekt als transdisziplinäres Projekt im strikten Sinne durchgeführt. Dies bedeutet, dass auf allen Ebenen und in allen Phasen des Projektes die Entscheidungen in enger Zusammenarbeit, Abstimmung und gemeinsamer Leitung durch die Vertreter der Maya und der wissenschaftlichen Projektsteuerungsgruppe durchgeführt werden. Dies bedeutet insbesondere, dass die Leitfrage, der Forschungsplan und die Dokumentation der Kernaussagen der Interviews von der gemeinsamen Leitung (Prof. Scholz und Simeón Taquirá Sipac) geplant und verantwortet werden.

Das Interesse seitens der Maya besteht einerseits darin, das Wissen über spirituell-kognitive und medizinisch-pflanzliche Behandlungsmethoden – welches verloren zu gehen droht – zu dokumentieren. Ein weiteres Interesse besteht darin, dass sie (in einem möglichen, ebenfalls transdisziplinären Folgeprojekt) die Wirksamkeit ihrer Therapie nachweisen möchten.

Der Nutzen aus wissenschaftlicher Sicht besteht zum einen darin, einen medizin-historischen und ethnomedizinischen Beitrag zum Umgang der Maya mit Krebs zu leisten. Das Projekt wird von einem führenden Onkologen am Universitätsspital Zürich mitgeleitet. Andererseits wird erwartet, dass mit Hilfe der beteiligten Onkologen und Immunologen herausgearbeitet werden kann, welche Annahmen über psychosomatische und medikamentöse Effekte im Verlauf der Krebskrankheit sich mit den Erkenntnissen der Mayas in Beziehung setzen lassen. Darüber hinaus werden in dem Projekt eine Reihe von theoretischen Fragen aus erkenntnistheoretischer Perspektive diskutiert, welche für die Krebsforschung und die Theorie des Mensch/Umweltsystems von Bedeutung sind. Diese Fragen beziehen sich auf die Kommunikation zwischen Zellen oder die Interaktion zwischen verschiedenen zellularen Systemen wie Prozessen im kognitiven System und deren Beziehung zu Entscheidprozessen im Immunsystem.

 
T-149/10

"denkfest"
Andreas Kyriacou, Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS), Zürich

Ziel der Freidenker-Vereinigung der Schweiz ist es, kritisches Denken zu fördern und wissenschaftliche Erkenntnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Sie ist politisch und konfessionell neutral. Um eine breiten Bevölkerung für Wissenschaft zu begeistern, organisiert sie vom 8.-11. September 2011 im Zürcher Volkshaus erstmalig ein Wissensfestival mit dem Namen "denkfest".
Dort soll diskutiert werden

  • wie Behauptungen wissenschaftlich untersucht werden können
  • wie die (Neuro-)Psychologie erklärt werden kann
  • wie wissenschaftliches und kritisches Denken an Schulen vermittelt werden kann (dafür findet ein Workshop für Lehrpersonen statt und es werden Erfolgskonzepte vorgestellt)
  • was grosse Forschungsprojekte wie das Blue-Brain-Projekt der EPFL, das 12 Institutionen umfassende Systembiologie-Projekt Systems X oder der Large Hadron Collider (LHC) am CERN für die Schweiz bedeuten.

Um die Attraktivität des Festivals zu erhöhen wird an den Abenden "intelligente Unterhaltung" angeboten, z.B. mit dem Physiker und Kabarettisten Vince Ebert.
www.denkfest.ch