the cogito foundation
 
  Schlussberichte 2008   (Last Update: 18.05.2009)
   
 
R-113/04   

"Roots of Civilization" (die Entstehung von Messtechniken in Mitteleuropa)
Dr. Aleksander Dzbynski, Universität Basel, Fr. 44'800.- (für 2 Jahre)

In seiner Arbeit betrachtet Aleksander Dzbynski die Archäologie aus einer kulturgeschichtlichen Perspektive. Sein Buch "Ritual and Understanding" konzentriert sich auf den von Jürgen Habermas als "Rationalität des kommunikativen Handelns" definierten Prozess, der im vorgeschichtlichen Europa (zwischen 6000 - 2000 v. Chr.) untersucht wird. Dabei werden ausgewählte Elemente der materiellen Kultur Mitteleuropas aus dieser Zeit analysiert, die sich generell unter zwei Themenkomplexen unterbringen lassen: die Makrolitisierung der Silexgeräte und die Kupfermetallurgie. Er versucht ihre kommunikative Rolle im Sinne der steigenden Handlungsrationalität aufzuzeigen und vertritt die Meinung, dass einige charakteristische Artefakte der äneolithischen Kulturen (makrolithische Silexklingen, Silex- und Kupferbeile, wie auch manche Kupferperlen) parallel als Träger der ersten "(metrologischen)Mess-Konzepte" zu verstehen sind, welche eine immer leistungsfähigere und dadurch mehr rationale Kommunikation in den äneolithischen Gesellschaften bis in die Bronzezeit ermöglichten.
Die Idee des "Mess-Konzepts" knüpft an drei für die gesellschaftliche Rationalität charakteristischen Phänomene an:

  • die Tendenz zur Vermeidung von Dissens,
  • die Entsprachlichung der Kommunikationsmedien und
  • die steigende Abstraktion der Realitätswahrnehmung.

Diese drei Elemente können im Rahmen der Evolutionstheorie auf die Kulturgeschichte so angewandt werden, dass die Rekonstruktion der sozialen und kulturellen Entwicklung folgendermaßen beschrieben werden kann:
Während des gössten Teils der Menschheitsgeschichte lebten die Menschen in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler. Die Werte, Normen und das, was Habermas Geltungsansprüche nennt, waren in dieser Zeit in mythologisch-narrative Vorstellungen eingebaut. Dabei bildete die Narration, d.h. das Erzählen (story telling) die verbindende Basis der Kommunikation. Die Neolithisierung (Einführung der Bauernwirtschaft) und insbesondere die Äneolithisierung (Entwicklung neuer Technologien wie Metallurgie) stellten jedoch ganz neue Anforderungen an die Kommunikationsmechanismen in den Gesellschaften. Im Rahmen des über Generationen dauernden Diskurses bildeten sich erste metrologische Konzepte aus, die an die entwickelten Technologien des Äneolithikums anknüpfen (Makrolithen, Kupferbeile, Kupferperlen usw.). Im Laufe dieser Entwicklung wurden in der Gesellschaft die Zahl und das Maß in die Sozialverhältnisse und in die soziale Kommunikation eingeführt, was die wachsende Komplexität der europäischen Gesellschaft (die Entwicklung von Hierarchien) ermöglichte. Später, am Übergang Äneolithikum/Bronzezeit entstanden letztendlich ab-strakte Maße wie Gewicht, was die Rolle der wachsenden Abstraktion unterstreicht. Dieser Prozess verlief allerdings nicht gleichmäßig in den verschiedenen Regionen Europas.
ISBN 978-83-60545-78-2
WYDAWCA

     
P-119/06   

"Freiheitsfieber", Dokumentarfilm
Dr. Susanne Eigenheer Wyler, Schule für Kunst und Mediendesign, Zürich Fr. 20'000.-

Freiheit hat ihren Preis – wie auch immer sie aussieht. Und die vier Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben nach mehr Freiheit, sind bereit, ihn zu zahlen. Da ist einmal der Novize, der beschlossen hat, fortan zurückgezogen im Kloster zu leben. Da ist die allein erziehende Mutter, die sich als Fotografin politisch engagiert. Da ist auch die Physikstudentin, die davon träumt, Kosmonautin zu werden. Und nicht zuletzt ist da der Mann, der nach seinem Strafvollzug in die so genannte Freiheit entlassen wird. Im Film der Schweizer Historikerin Susanne Eigenheer sprechen vier ganz unterschiedliche Menschen über ihre Vorstellung von Freiheit.
Der von der cogito foundation mitfinanzierte Teil portaitiert die angehende Wissenschaftlerin Barbara Burtscher (mit einer Auszeichnung von „Schweizer Jugend forscht“) und zeigt was es braucht, um in den Naturwissenschaften bestehen zu können. Der Film begleitet die Studentin, durch Studium, Praktika, Ausdauertraining und Himmelsbeobachtungen. Er dient auch dazu, Frauen für Naturwissenschaften zu begeistern.

     
T-105/07  

"Jubiläums-Symposium: Universitäres Wissen teilen"
Dr. Hansueli Rüegger, Universität Zürich, Fr. 70'000.-

«Wissen teilen» lautete das Motto des 175-Jahr-Jubiläums der Universität Zürich. An einem zweitägigen Symposium diskutierten vom 17. und 18. März 2008 Wissenschafter über die Bedingungen und Möglichkeiten, interdisziplinär und interkulturell Wissen zu teilen. Die Symposiumsbeiträge und Diskussionen liegen nun in Buchform vor:

«Universitäres Wissen teilen – Forschende im Dialog», vdf Hochschulverlag ISBN 978-3-7281-3196-6
Download open acess: www.vdf.ethz.ch DOI 10.3218/3196-6
«Universitäres Wissen teilen – Forschende im Dialog» (7MB)

«Es gibt keine Einheitswissenschaft, die akademische Erkenntnis in ihrer Gesamtheit umfasst», schreibt Hansueli Rüegger, Leiter der Abteilung Forschung und Nachwuchsförderung und einer der drei Herausgeber, in der Einleitung. Weil die Forschung in jeder Disziplin durch ihre eigene Betrachtungsweise geprägt wird, ist der Anspruch, das so erarbeitete Wissen zu teilen, nicht so einfach einlösbar.

Das Buch beleuchtet anhand der Beiträge aus unterschiedlichsten Disziplinen nicht nur die Fragestellungen und Probleme, die sich bei einem interdisziplinären Dialog ergeben, sondern es ist durch die ebenfalls wiedergegebene Diskussion gleichzeitig ein Dokument dieses Dialogs und liefert damit Anschauungsmaterial für die Schwierigkeiten, aber auch für die fruchtbaren Anregungen, die im Teilen von Wissen stecken. In den Diskussionen wird deutlich, worum am Symposium gerungen wurde.

Gerungen und diskutiert wurde in fünf Modulen um Aspekte des interdisziplinären und interkulturellen Dialogs. Zuerst um die Frage, was in den einzelnen Disziplinen überhaupt als «Wissen» gilt. Wie wird es kodiert, bewahrt und weitergegeben, waren die zentralen Fragen.

Momente des gegenseitigen Nicht-Verstehens gab es im zweiten Modul, in dem über die «Grenzen und Schranken des Wissens» diskutiert wurde. Es zeigte sich, dass die Konsternation darüber, dass wir einander nicht verstehen, just dazu anregt, über das Verstehen nachzudenken.

Im Modul «Wissen als kulturspezifischer Begriff: Asien und Europa» werden Wissenskulturen in China, Indien, der islamischen Welt und Afrika beleuchtet. Welche sozialen, kulturellen und religiösen Bedingungen prägen die jeweilige Konzeption von «Wissen»? Welche Bedeutung solche Unterschiede für die konkrete Forschungszusammenarbeit haben, wird im Modul «Wissen in Relation und Kooperation: Afrika und Europa» diskutiert.

Das fünfte Modul «Dialogisch Brücken schlagen: Einsichten und Aussichten» befasst sich mit den Erkenntnissen aus dem vorangegangenen Dialog. Dabei werden unter anderem Vorschläge zu möglichen Formen interdisziplinären Arbeitens diskutiert. Zum Beispiel sollten Wissenschafter aller Disziplinen verstärkt befähigt werden, über die Voraussetzungen ihrer Disziplin nachzudenken. Nicht nur Soft Skills für die Doktorierenden oder Hochschuldidaktik für die Dozierenden sollten zur Weiterbildung gehören, sondern auch die Einübung in semiotisches und logisches Denken oder das Nachdenken über wissenschaftliche Verfahren.

     
T-114/07  

22. Internationale Konferenz zur Geschichte der Kartographie in Bern
Hans-Uli Feldmann, swisstopo, Fr. 10'000.-

Vom 8. bis 13. Juli 2007 fand in Bern die 22. Internationale Konferenz zur Geschichte der Karto-graphie statt. Sie ist die bedeutendste internationale wissenschaftliche Konferenz, die umfassend der Geschichte der Kartographie und der Karten gewidmet ist. Die Konferenz fördert die weltweite Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern aller Disziplinen, Kuratoren, Sammlern, Händlern und Institutionen durch illustrierte Vorträge, Präsentationen, Ausstellungen. Jede Konferenz wird durch namhafte Bildungs- und Kulturinstitutionen unterstützt. Die Konferenz findet alle zwei Jahre statt und wird von einem lokalen Komitee in Zusammenarbeit mit Imago Mundi Ltd organisiert. Erstmals seit Beginn der Konferenzreihe im Jahr 1964 war die Schweiz Gastgeberland. Ihrer mehrsprachigen Kultur verpflichtet, waren neben dem Englischen auch Deutsch und Französisch Konferenzsprachen. Insgesamt nahmen 270 Teilnehmende sowie 36 Begleitpersonen aus 38 verschiedenen Ländern teil, was einen neuen Konferenzrekord bedeutet.
Die organisierende Arbeitsgruppe für Kartengeschichte der Schweizerischen Gesellschaft für Karto-grafie, zusammen mit dem Redaktionsteam der Fachzeitschrift Cartographica Helvetica, wurde unterstützt von swisstopo, dem Geographischen Institut der Universität Bern, dem Institut für Kartografie der ETH Zürich und The cogito foundation.
Nebst den über 60 Vorträgen und einer viertägigen Posterausstellung mit 40 Präsentationen wurden verschiedene Ausstellungsbesuche angeboten: im Staatsarchiv Bern, das unter anderem die Papier-restauration sowie die Archivierung von grossformatigen Plänen zeigte und zudem eine kleine Aus-stellung mit den schönsten kartografischen Archivalien des Staatsarchivs speziell für diese Konfe-renz zusammengestellt hatte; der Schauenburg-Sammlung in der Burger- und der Universitätsbiblio-thek Bern sowie im Schweizerischen Alpinen Museum und im Bundesamt für Metrologie METAS in Wabern. Die Stiftsbibliothek St.Gallen, die im Anschluss an die Konferenz besucht wurde, hat einen sehr schönen Katalog speziell für die ICHC2007 produziert.

Die Konferenz behandelte umfassend vier Themen:

  1. Kartographische Geländedarstellung
    Mit Fragestellungen wie: Lässt sich bereits eine Geschichte der Kartographie des Meeresbodens schreiben? Wie haben Topographen und Kartographen die Geländedarstellung gemeistert? Welche Eigenheiten haben sich bei der Hochgebirgsdarstellung herausgebildet?
  2. Karten und Tourismus
    Wie hat der Tourismus die Kartierung und den Kartenhandel beeinflusst? Sind Muster der Kartennutzung erkennbar, die durch Reiseveranstalter des 19. und 20. Jahrhunderts angeregt wurden? Ab wann und wie wurden überhaupt touristische Karten als Massenprodukt verbreitet? Wie war es kommerziell möglich, Karten von Gebieten herzustellen, die für die meisten Menschen unerreichbar waren?
  3. Sprachen und Karten
    Wie gingen Kartenmacher mit Übersetzern und Übersetzungen um? Zeigen ihre Karten, die sie für verschiedene Nutzergruppen oder Länder hergestellt haben, dieselben geographischen Bezeichnungen? Wann werden Exonyme, wann Endonyme benutzt? Wurden Verlage durch die Sprachenpolitik eines Landes unter Druck gesetzt? Welche Probleme stellten sich insbesondere in mehrsprachigen Ländern? Kennen wir überhaupt die «Sprache» alter Karten?
  4. Zeit als vierte Dimension in der Kartographie
    Wann begannen Karten unsere dynamische Umwelt und nicht ein idealisiertes oder statisches Bild darzustellen? Lautet die Antwort anders, wenn wir an mittelalterliche oder so genannte thematische Karten denken? Wie lange waren Karten in Gebrauch, bis sie ersetzt wurden? Wie sieht es mit Kartenwerken aus, deren Herstellung Jahrzehnte dauerte?

Über die Konferenz wurde ein umfangreicher Tagungsband hergestellt. Darin sind sämtliche Zusammenfassungen der Vorträge und der Posters in Englisch, Deutsch und Französisch sowie die Beschreibungen der Ausstellungen publiziert. Auf der Konferenz-Webseite www.ichc2007.ch ist neben einer online-Version des Tagungsbandes noch eine über 1000 Fotos umfassende Bildergalerie zu finden. Damit ist diese erfolgreiche Konferenz auch für verhinderte Teilnehmende aus aller Welt dokumentiert.

Tagungsband

     
P-126/07  

"The Journey of Maps and Images on the Silk Road"
Prof. Dr. Andreas Kaplony, UZH, Dr. Philippe Forêt, ETHZ, Fr. 10'000.-

Dieser Sammelband erschliesst ein neues Gebiet der Forschung: die Weitergabe von Karten und Bildern entlang der Seidenstrasse. Bisher hatte man die einschlägigen archäologischen Funde und historischen Berichte meist für jede der Kulturen Eurasiens getrennt untersucht und dabei den Austausch über ganz Eurasien hinweg vernachlässigt. Anhand der vier grossen Austauschräume Buddhismus, Islamische Welt, Mongolenreich und Mittelmeer untersucht dieses Buch die Wege, auf denen Karten und Bilder räumliche, historische und kulturelle Trennungen überwunden haben.

Sie gehört zu den legendären Handelsverbindungen der Welt: die «Seidenstrasse», die den Mittelmeerraum mit den damaligen Hauptstädten des chinesischen Kaiserreiches mehrere tausend Kilometer weiter östlich verband. Der Begriff «Seidenstrasse» - erst im 19. Jahrhundert vom deutschen Geografen Ferdinand von Richthofen geprägt - ist jedoch in zweifacher Hinsicht irreführend: Denn vielmehr als um eine Strasse handelte es sich um ein ganzes Netz von Handelsrouten mit mehreren Strängen und Abzweigungen und zweitens wurde längst nicht nur Seide entlang den grossen zentralasiatischen Wüsten und über die Pässe des Pamir transportiert. Fast alles, was als Handelsware taugte und noch viel mehr, nämlich Ideen, Religionen und Kulturgüter wanderten über die «Seidenstrasse» von Ost nach West und umgekehrt.
Einem spezifischen Aspekt dieses Austausches von Ideen und kulturellen Konzepten geht das Buch nach. Andreas Kaplony, Orientalist an der Universität Zürich und Philippe Forêt, Forscher am Institut für Kartographie der ETH und Associate Professor für Chinesische Studien an der Universität Nottingham, haben darin zehn Beiträge zusammengestellt, die sich mit der Darstellung von räumlichen Konzepten und deren Austausch entlang der Kulturen der «Seidenstrasse» befassen.
Es will zeigen, wie Konzepte über die Grenzen der grossen Kulturräume - des Buddhismus, der islamischen Welt, des Mongolenreichs in Zentralasien und des Mittelmeerraumes - weitergegeben und transformiert wurden. Angesichts der riesigen geographischen Fläche, die das Netz der Seidenstrasse umfasst und der unterschiedlichen Kulturen sowie der langen Zeitspanne, ein gewagtes Unterfangen.

Die zehn Aufsätze spannen den Bogen von den frühen buddhistischen Einflüssen im China der Han-Zeit (206 v.Chr - 220 n.Chr) bis zu katalanischen Karten im 14. Jahrhundert. Zum Teil beschreiben sie, wie Motive direkt von einem Kulturkreis in einen anderen übertragen worden sind. Etwa die Integration von chinesischen Symboltieren wie: Löwe, Drache und Phönix in die armenische Kunst im 13. Jahrhundert, wie Dickran Kouymjian, Professor für Armenische Studien an der California State University, in seinem Beitrag zeigt. Dabei ist die Übernahme der Bildmotive hinterlegt mit engen politischen Beziehungen des armenischen Königshauses zu den Nachfolgern Dschingis Khans am Hof von Karakorum.
Ein spannendes Beispiel, wie sich eine Darstellungskonvention im gesamten Einzugsgebiet der Seidenstrasse etablieren konnte, sind die astrologischen Diagramme, denen Johannes Thomann vom Orientalischen Institut der Universität Zürich nachgeht. Waren sie in der Antike noch durchwegs rund, so beruht die Mehrheit der mittelalterlichen Horoskope in griechischen, arabischen und lateinischen Kodizes auf einem in neun kleinere Quadrate unterteilten Quadrat, dessen vier Eckquadrate wiederum diagonal unterteilt sind. Thomann argumentiert, dass diese Darstellungskonvention auf Diagramme zurückgeht, die in einer bestimmten Form der chinesischen Weissagung, der Hemerologie, verwendet wurden. Sie belegen so indirekt die Bedeutung der Seidenstrasse für den Austausch über grosse Distanzen.

Im farbigen Abbildungsteil des Buches gibt es wahre Bildschätze zu entdecken, etwa die Kartendarstel-lungen im ägyptischen «Buch der Merkwürdigkeiten und Wunder» aus dem elften Jahrhundert. Die stilisierten Darstellungen der Flüsse, Berge, Seen und Meere erinnern an Bilder von Paul Klee.

Ebenfalls aus dem elften Jahrhundert stammt die Karte der Seidenstrasse des islamischen Gelehrten al-Kashghari, die in seinem vergleichenden Wörterbuch der türkischen Sprachen zu finden ist. Das Beispiel zeigt - so Andreas Kaplony in seinem Beitrag - wie sich der aus Zentralasien stammende al-Kashghari für seine Darstellung der Welt, der türkischen Völker an den islamisch-arabischen Karten orientiert. Da diese nur in einer späteren Kopie aus dem 13. Jahrhundert erhalten ist, rekonstruiert er anhand des Textes, inwiefern die Kopie von der ursprünglichen Karte abweicht. Dies gibt Hinweise darauf, wie solche Karten über die Zeit weiter verbreitet wurden.

Brill's Inner Asian Library 21, Leiden 2008 ISBN 978-90-04-17165-7

     
T-133/07  

"Erste Schweizer explore-it Erfindermesse für Kinder und Jugendliche"
Prof. Dr. Ch. Weber, D. Vögelin, PH FHNW, R. Providoli, PHVS, Fr. 11'000.-

Explore-it! Probier es aus! 140 Kinder folgten diesem Ruf und trafen sich zur ersten Kinder-Erfindermesse in Zofingen. Am Morgen zeigten sie sich gegenseitig ihre mitgebrachten Kreationen. Am Nachmittag konnten sie ihrer Forscher- und Erfinderlust freien Lauf lassen und Kassettenrekorder und andere Soundmaschinen zum Tanzen bringen. Die Messe war ein voller Erfolg.

Ein Schrei der Begeisterung geht durch die Erfinderschar. Die Mädchen und Knaben haben soeben erfahren, dass studierende Ingenieurinnen und Ingenieure ihnen beim Bauen und Erfinden helfen werden. Die 140 Kinder sind nicht mehr zu halten und rennen quer durch die Halle auf ihre Arbeitstische zu. 34 Teams machen sich daran, aus externen Wechselplatten, Ghettoblastern, Walkmans etc. Elektromotoren und weitere bewegliche Teile auszubauen, um sie zu Booten, Fahnenschwingautomaten, Zeppelins, Karussells, Helikoptern, Rennwagen und Autos zusammenzubauen. Die Aufgabe lautet: Bringt Soundmaschinen in Bewegung.

Während zweier Stunden herrscht in der Mehrzweckhalle des Bildungszentrums in Zofingen (BZZ) eine emsige, angeregte und konzentrierte Stimmung. "Black Girls" und "Wasserraser", "Holland" und "New Generation 1-4", "Legokran" und "High Heels" heissen beispielsweise die Schulteams, die auf ihren Arbeitstischen zu Werke gehen. Sie schrauben, hämmern, schneiden und leimen was das Zeug hält. Die Spannung steigt an jedem Tisch, wenn am ausgebauten Bauteil der Elektromotor unter Strom gesetzt wird. Was bewegt sich? Was für einen Automaten können wir damit bauen? Die angehenden Ingenieure des Technikums Windisch nehmen nicht Lösungen vorweg, sondern machen die Kinder auf technische Gegebenheiten aufmerksam. Diese geniessen es sichtlich, ihre Fragen echten Fachleuten stellen zu können. Von der Begeisterung der Mädchen und Knaben angesteckt, bauen die Betreuenden bald Hand in Hand an den Erfindungen mit.

Das ist kein Zufall. Die Kinder-Erfindermesse ist nur das letzte Glied einer langen Reihe von Impulsen, die seit anderthalb Jahren von der Initiative explore-it ausgehen.

Die Tipps an die Kinder:
1. Nicht aufgeben.
2. Einander nicht gegenseitig die Schuld zuschieben.
3. Immer wieder auch Aussenstehende um Lösungen anfragen.

Wer an diesem Mittwochnachmittag die Kinder-Erfindermesse besucht, merkt sofort: Hier begeistern sich Kinder für Technik. Hier gibt es keine Hemmschwelle für die Forscherlust. Hier werden Kinder in ihrem Drang ernst genommen, sofort handeln zu können. Kurz: Hier ist die Begegnung zwischen Kindern und Technik geglückt.

http://explore-it.ch/sites/content/view/117/192/lang,de/

     
P-149/07   

"Le défi de l'inter- et transdisciplinarité"
Theres Paulsen, Institut Universitaire Kurt Bösch (IUKB), Sion, Fr. 5'000.-

Inter- und Transdisziplinarität erfahren in Lehre und Forschung heutzutage eine vielversprechende Ent-wicklung, nicht nur im Schweizer Hochschulsystem, sondern auch auf europäischer und globaler Ebene. Sollen die Probleme unserer Zeit verstanden, analysiert und schliesslich gelöst werden, ist es unabdingbar, die disziplinären Kompetenzen in einen konstruktiven Dialog untereinander zu bringen. Die Behandlung unserer komplexen, menschlichen, sozialen, politischen und die Umwelt betreffenden Probleme drängt zunehmend auf die Durchlässigkeit des disziplinären Wissens und Wissenssystems. Dieses Buch richtet sich an all jene, die sich in ihrer täglichen Arbeit in Lehre, Forschung oder Studium mit komplexen Fragestellungen beschäftigen und sich dabei nicht auf die Reduktion auf eine einzelne Disziplin beschränken wollen. Es zeigt den aktuellen Stand der inter- und transdisziplinären Lehre und Forschung in der Schweiz auf. Der Schwerpunkt liegt bei der Präsentation von erfolgreichen Projekten, ihren konzeptuellen, theoretischen und methodologischen Grundlagen sowie den daraus gewonnenen Erfahrungen. Es entstand aufgrund der am 7. März 2008 in Sion am IUKB (Institut Universitaire Kurt Bösch) organisierten nationalen Tagung "Herausforderung Inter- und Transdisziplinarität - Konzepte, Methoden und praktische Umsetzung in Lehre und Forschung". Damit wurde dem wachsenden Bedürfnis nach einem Dialog über die Grenzen von wissenschaftlichen Kulturen und nationalen Sprachregionen hinweg, Rechnung getragen. Diese Diskussionen finden ihre Fortsetzung und Ergänzung im Buch, um die Gedanken mit einem grösseren Publikum zu teilen, und Lehrende wie Forschende für den disziplinübergreifenden Ansatz zu sensibilisieren.

Eine inter- und transdisziplinäre Ausrichtung in Forschung und Lehre zu wählen, ist eine Herausforderung für die gesamte Wissenschaftsgemeinschaft, also gleichsam für Natur-, Technik-, Geistes- und Sozialwissenschaften. Diese Herausforderung anzunehmen, erfordert eine vertiefte Reflexion über Konzepte, Methoden sowie Forschungs- und Lehrtätigkeiten. Daher wurden die folgenden brennenden Fragen in den Mittelpunkt des Buches gestellt:

  • Welche Konzepte, Werkzeuge und Methoden bilden das Fundament für Inter- und Transdisziplinarität?
  • Welchen Typ Studiengang, welches pädagogische Prinzip braucht es, um Inter- und Transdisziplinarität wirklich und langfristig im Studienplan zu integrieren?
  • Wie müssen Institutionen organisiert sein und welche akademischen Strukturen sind geeignet um adäquat auf die neuen Zielvorgaben der Wissenschaften zu reagieren?
  • Wie kann Transdisziplinarität in den bestehenden universitären Strukturen gefördert werden, die grösstenteils nach wie vor ein multidisziplinäres Nebeneinander pflegen?

"Le défi de l'inter- et transdisciplinarité"

     
     
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